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H1Z1 – Kapitel 11: Vom Schläger zum Helden

15. Januar 2015

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H1Z1 – Kapitel 11: Vom Schläger zum Helden

H1Z1 – Die komplette Vorgeschichte: Kapitelübersicht

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David „DoubleD“ Kennedy: 

Ich bin über eine Siedlung in Ohio gestolpert, die von einem Mann namens Jack Hodge geführt wird. Während die Gegend selbst unheimlich stark vom Ausbruch betroffen war, hat sich eine erstaunlich große Menge von Menschen zusammengeschlossen und überlebt. Der Großteil der Stadt wurde wiederhergestellt und gesichert. Während sie sich exzellent als Handelsposten eignet, habe ich herausgefunden, dass die Geschichten, die ich dort sammelte, wertvoller waren, als alles was ich dafür hätte geben können.

[Start der Aufnahme]

David: Nenne bitte deinen Namen und dein Alter für die Aufnahme. Fange an, wenn du bereits bist.

John: Mein Name ist John Collin Hodge, aber die Leute nennen mich Jack. Ich bin 41.

David: Danke, dass du mitmachst Jack. Der Großteil deiner Gruppe scheint mich zu meiden.

John: Nimm es nicht persönlich. Wir hatten ziemliches Pech mit einigen Banditen vor ein paar Wochen. Die Leute sind immer noch nervös und vorsichtig.

David: Kein Abzeichen?

John: Bitte was?

David: Ich habe gehört wie dich eine Frau vorhin Sheriff nannte. Daran und an der Art wie du dich gibst, dachte ich, du wärst ein Polizeibeamter.

John: Ich bin, was immer sie brauchen. Wenn es dir lieber ist, dass ich der Sheriff bin, dann ist es das, was ich bin. Die Leute brauchen jemanden, zu dem sie aufsehen können.

David: Also warst du kein Bulle?

John: Kann ich ehrlich zu dir sein?

David: Bitte!

John: Ich mache das hier nur, weil jemand die Wahrheit wissen muss. Auch wenn es nur ein Kind mit einem Kassettenspieler ist, sollte es aufgenommen werden. Irgendwo.

David: Nun, dir ist klar, dass ich gedenke, dies zu senden, oder? Was immer du sagst hat die Möglichkeit, von jedem gehört zu werden, der später zuhört.

John: Glaubst du wirklich, du bekommst eine Radio- oder Fernsehstation wieder zum Laufen? Und selbst wenn du es schaffst, glaube ich nicht, dass deine Sendung hier draußen ankommt. Selbst für den Fall, dass wir noch da sind. Auch wenn du es schaffen solltest, nehme ich die Möglichkeit jetzt wahr. Ich will mich nicht mehr verstecken. So bin ich einfach nicht.

David: Wieso drückst du es so aus?

John: Du hast mich gefragt, ob ich ein Bulle war.

David: Nun, ich glaube, du warst keiner.

John: Genau das Gegenteil ist der Fall. Ich… ich war ein Verbrecher. Die meisten Leute beschuldigen ihre Eltern des Missbrauchs oder finden irgendwelche anderen Gründe, warum sie eigentlich das Opfer waren. Die Wahrheit aber ist, sie waren einfach nur gemein. So war ich auch. Ich war kurzzeitig ein Gauner und lange Zeit ein Alkoholiker. Ich nahm mir, was ich wollte und wenn ich es wollte. Wenn mir jemand in den Weg kam, habe ich ihn zusammengeschlagen.

David: Was hat dich verändert?

John: Ich glaube es war die Welt. Ich wurde mit einem gestohlenen Wagen erwischt. Ungefähr zwei Dörfer weiter, in einem kleinen Ort namens Yellow Springs. Die Polizeistation war eine alte Bank, die man umgebaut hatte. So haben sie mich direkt im Tresor eingebuchtet und wollten mich nicht mehr gehen lassen. Und so habe ich mich ein paar Tage niedergelassen und auf meine Reise zu einem größeren Staatsgefängnis vorbereitet. Ich vermute, am ersten Tag war noch alles normal. Ich hatte meine drei Quadratmeter und der Sheriff war sogar so nett, den Fernseher im meine Richtung zu drehen, sodass ich diese Idioten sehen konnte, die versuchten bei American Idol ein Lied zu singen. Spät in der Nacht dann ging alles schief. Das Telefon stand nicht mehr still. Der Sheriff beantwortete fast zweitausend Anrufe und selbst in meiner Zelle konnte ich die Schüsse draußen hören.

David: Es war der Beginn des Ausbruchs.

John: Ja, aber das wusste ich damals noch nicht. Ich dachte, irgendeine Dorfbande wäre auf einem Jahrmarkt außer Kontrolle geraten oder etwas in der Art. Es hätte zu so einem Ort gepasst.

David: Kam der Sheriff zurück?

John: Nein. Nicht am ersten Tag und auch nicht am zweiten. Warst du jemals im Gefängnis und es war sonst niemand da?

David: Kann ich nicht behaupten.

John: Ich kann dir nicht erklären, wie angsteinflößend das wirklich ist. Man sitzt in einer Zelle und jemand anderes hat die Verantwortung für einen. Sie sollten auf dich aufpassen. Sie müssen sichergehen, dass du nicht in Gefahr gerätst. Sie müssen dich füttern. Am Ende des zweiten Tages war mein Hals komplett wund wegen meiner Hilferufe. Ich hatte Hunger und das einzige Wasser, das man trinken konnte war… nun. male es dir selber aus. Spülung und so…

David: Aber der Sheriff kam zurück.

John: Oh, ja. Er kam wirklich zurück. Das geschah dann am dritten Tag. Ich hatte meine Stimme zurück und in meiner Verzweiflung schrie ich, wie ein Irrer, und rüttelte an den Stangen, wie ein genervter Affe in seinem Käfig. Nun, ich denke, das Gerüttel war genug, um jemanden auf mich aufmerksam zu machen, denn der Sheriff, oder eher was aus ihm geworden war, hörte mich.

David: Er war infiziert?

John: Es war das erste Mal, dass ich einen von nahem sah. Ich dachte, es sei eine Verarsche. Wie eine von diesen „Versteckte Kamera“-Shows. Ich war wie irre. Ich fing an zu schreien und zu fluchen. Aber als er näher kam, da wusste ich, dass es kein Witz war. Meine Schreie wechselten von ärgerlich zu wahnsinnig vor Angst. Da war dieses Ding. Blutig, dreckig und stank bis zum Himmel und es versuchte, mich durch die Gitterstäbe zu ziehen. Diese Zelle war nicht groß, aber ich hatte genug Raum, um mich außerhalb seiner Reichweite zu halten.

David: Was hast du dann getan?

John: Von Mann zu Mann?

David: Von Mann zu Mann.

John: Ich habe mir in die Hose gepisst. Ich könnte die Schuld darauf schieben, dass ich gerade nüchtern wurde oder dass ich mein Wasser aus der Toilette trinken musste. Aber der wirkliche Grund war: Ich hatte Angst. Ich hatte es vorher noch nie verspürt, aber in diesem Moment hatte ich wahrhaftig und ehrlich Angst. Ich muss ohnmächtig geworden sein, denn plötzlich fühlte ich, wie etwas an meinen Schuhen zerrte.

David: Der Zombie.

John: Er war schon fast auf mir.

David: Aber du warst doch in einer Zelle.

John: Das Witzige an Gitterstäben ist, sie sind nur dafür da, die Lebenden zu stoppen und nicht die Toten. Der Sheriff hat es geschafft, sich durch die Stäbe zu quetschen. Seinen Kopf und alles, was an seinem Körper hing. Welche Kraft auch immer ihn nach mir greifen und schlagen ließ, sie hat seinen Kopf direkt da durchgezwängt, sodass seine Augen an den Seiten hingen, wie bei einem Fisch. Er muss seinen Schädel in Millionen Stücke gebrochen haben. Nachdem sein Kopf durch war, folgte der Rest langsam.

David: Jesus Christus.

John: Ja, das waren auch genau meine Worte. Ich bekam Panik und trat nach ihm, als wäre der Teufel hinter mir her. Und nun, was auch immer dieses Ding mit seinem Kopf gemacht hat, es muss ihn weich gemacht haben. Nach drei guten Tritten sank die Hacke meines Schuhs in seinen Schädel ein, wie bei einer Melone und er hörte auf, sich zu bewegen.

David: Ich… ich weiß nicht, was ich sagen soll.

John: Ich saß noch einige Minuten einfach dort. In meiner eigenen Pisse und dem stinkenden Schleim, der aus dieser Kreatur lief, die gerade versucht hatte, mich zu töten. Und alles, was ich dazu sagen kann ist … es veränderte mich. Genau dort und zu diesem Zeitpunkt habe ich mich geändert, als wenn Gott mir eine zweite Chance gegeben hätte. Ich schwor auf meinen Glauben, dass ich sie nicht vergeuden würde. Ich schnappte mir die Schlüssel des Sheriffs von seinem Gürtel und öffnete die Tür zu meinem neuen Leben.

David: Und nun bist du der Sheriff.

John: Ich bin, wofür immer die Stadt mich braucht. Wenn sie darin Trost finden, mich Sheriff zu nennen, dann bin ich der Sheriff. Wenn sie einen Beschützer brauchen, dann bin ich der Beschützer. Wenn sie einen Freund brauchen, dann versuche ich der beste Freund zu sein, der ich sein kann. Aber die Wahrheit ist, ich bin mehr als sie, mehr als irgendetwas anderes. Ich meine die Zombies.

David: Wie das?

John: Weil der Mann, der ich war, an diesem Tag gestorben ist und als ich zurück kam, war ich nicht mehr der Gleiche. Ich glaube auch nicht, dass ich jemals wieder so werde. Und was dazu kommt, ich glaube nicht, dass es schlecht ist.

[Ende der Aufnahme]

David „DoubleD“ Kennedy: 

Das Band war an dieser Stelle zu Ende und als ich es endlich gewechselt hatte, wurde Jack gerufen, um einen Streit zu schlichten. Trotzdem ist mir diese Geschichte eine der liebsten und wann immer ich denke, dass die Welt zu hart und zu gemein geworden ist, halte ich inne und höre sie mir an. Wenn so ein Mann im Angesicht des Schreckens ein Held werden kann, dann weiß ich tief in meinem Herzen, dass wir uns von allem erholen können.

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André startete sein Spielerdasein zu Zeiten des ersten Commodore 64. Grund der Sucht war das Actionspiel Loadrunner. Seitdem treibt er in verschiedenen Spielecommunities sein Unwesen. Nach Stationen bei Deutschlands kranker Horde in Counterstrike 1.6 ging es über das Browserspiel GalaxyNetwork, wo er später als GameMaster tätig war, zum Suchtspiel World of Warcraft. Hier durfte er sich bei der deutschen Gilde Affenjungs INC voll austoben.