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H1Z1 – Kapitel 10: Vom Regen in die Traufe

15. Januar 2015

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H1Z1 – Kapitel 10: Vom Regen in die Traufe

H1Z1 – Die komplette Vorgeschichte: Kapitelübersicht

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David „DoubleD“ Kennedy: 

In den letzten Monaten habe ich das Beste an Menschlichkeit erfahren und das Schlechteste gesehen. Ich habe Geschichten gehört, die mich inspiriert und meinen Geist gestärkt haben und ich war Zeuge von Geschehnissen, die mich in meinen Träumen verfolgen werden, bis zum Tag an dem ich sterbe. Eine der herzzerreißensten Begegnungen, an die ich mich erinnern kann, geschah durch Zufall.

Ich reiste gerade durch die Gegend um Fort Medicine Iowa, als sich der Himmel plötzlich öffnete und mich in einem sintflutartigen Regenguss übergoss. Für eine Sekunde vergaß ich die Welt um mich herum und rannte zum nächsten Unterschlupf. Ich hatte keine Bedenken mehr, vor Zombieangriffen oder Angst vor anderen Überlebenden, nur ein eiskaltes, instinktives Bedürfnis, aus diesem triefenden Regen zu entkommen. Während ich in ein Fast-Food-Restaurant einbrach, das ich für verlassen hielt, war ich so glücklich, dem Sturm entkommen zu sein, dass ich die geladene Pistole übersah, die auf meinen Kopf gerichtet war. Solange, bis der Besitzer den Hahn spannte. Es war ein Mädchen. Ich brauchte einige Minuten an Überredungsarbeit und ein paar Süßigkeiten aus meinen Vorräten, um sie zu überzeugen, dass ich keine Bedrohung sei und dass sie mich dort bleiben ließ, bis zumindest der Regen verschwunden sei.

[Start der Aufnahme]

David: Du kannst einfach in das Gerät sprechen.

T: Das ist bescheuert.

David: Wir hatten eine Abmachung.

T: Besser, du lügst mich nicht an!

David: Das mache ich nicht. Zwei weitere Süßigkeiten für deine Geschichte. So lautet die Abmachung.

T: Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

David: Nenne einfach deinen Namen und wo du herkommst.

T: T.

David: Ist das eine Kurzform von irgendwas? Wo sind deine Eltern?

T: Tot.

David: Wie lange bist du schon alleine?

T: Hör mal, ich will das nicht machen okay?

David: Mit mir reden?

T: Mit irgendwem reden!

David: Warum nicht?

T: Weil ihr alle Monster seid.

David: Was meinst du damit?

T: Ich meine, dass die Zombies versuchen, einen zu verletzen oder zu töten. Manchmal wollen die Menschen das Gleiche. Es ist sicherer, einfach jeden Kontakt zu vermeiden. Egal ob mit Toten oder Lebenden. Wenn es nach mir ginge, müsste ich mich gar nicht erst mit dir abgeben.

David: Musstest du schon mit Zombies fertig werden?

T: Du meinst, sie töten? Manchmal schon, ja. Die meiste Zeit versuche ich, sie einfach nur zu umgehen. Bleib geduckt und sei leise und wenn es zu schlimm wird, renne so schnell es geht.

David: Was ist mit den Menschen? Musstest du jemals einen töten?

T: Es gibt für mich keinen Unterschied mehr. Wirklich! Es ist alles das Gleiche. Ich gehe dir aus dem Weg und wenn du mir nachläufst sorge ich dafür, dass du damit aufhörst. Ich hatte Probleme damit, zumindest am Anfang. Ich kann mich daran erinnern, als ich das erste Mal jemanden… fernhalten… musste. Ich habe so stark geweint, dass ich mich übergeben musste.

David: Einen Menschen oder einen Zombie?

T: Es stört mich nicht mehr. Es sollte, aber dass tut es nicht. Nicht mehr.

David: Wann hast du das letzte Mal mit einer anderen lebenden Person gesprochen?

T: Das ist schon eine Weile her, denke ich. Meistens passiert es, so wie jetzt, wie bei dir. Einige tauchen an den Orten auf, wo ich gerade bin. Dann haue ich entweder ab oder sorge dafür, dass sie gehen. Du hast Glück, dass es so stark regnet und du wie ein nasser Hund aussiehst, sonst würde ich dich auch rauswerfen.

David: Nun, danke dass ich bleiben darf und du das hier mitmachst.

T: Wenn du mich mit den Süßigkeiten angelogen hast, dann wirst du es bereuen.

David: Das habe ich nicht. Hier! Ich vertraue dir.

T: Tue das nicht!

David: Tue was nicht?

T: Traue mir nicht. Vertraue keinem.

David: Du siehst nicht böse aus.

T: Das bin ich aber.

David: Nun, du..

T: Das ist bescheuert. Ich will das nicht mehr machen. Können wir aufhören? Ich will aufhören, okay?

David: Okay, okay.

T: Du bleibst einfach auf deiner Seite und ich bleibe auf meiner. Bitte zwing mich nicht dazu… also… bleibe einfach da drüben, okay?

David: Keine Panik, ich bleibe hier.

T: Gut. Sind wir fertig?

David: Eine Frage noch.

T: Was?

David: Wie alt bist du?

T: Warum?

David: Für das Protokoll. Es ist für das Protokoll.

T: Welchen Monat haben wir?

David: Ich glaube, es ist September.

T: Oh, dann bin ich zwölf. Ich bin noch immer zwölf.

[Ende der Aufnahme]

David „DoubleD“ Kennedy: 

Zwölf Jahre alt und schlägt sich alleine durch. Zwölf Jahre alt! Ich würde gerne behaupten, dass wir zusammen gereist sind und dass ich sie schließlich dazu gebracht habe, mir bis zu dem Punkt zu vertrauen, dass sie mir ihren Namen genannt hat. Aber die Wahrheit ist, sie war weg, bevor ich aufwachte. Ich bin noch nicht einmal überzeugt, dass sie die ganze Nacht dort geblieben ist. Welche Bedenken sie auch immer hatte, sie haben sie übermannt und ich habe sie nie wieder gesehen. Ich bin überzeugt, das sie immer noch dort draußen ist und dass sie lebt. Ich hoffe, sie hat endlich jemanden gefunden, der kein Monster ist.

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André startete sein Spielerdasein zu Zeiten des ersten Commodore 64. Grund der Sucht war das Actionspiel Loadrunner. Seitdem treibt er in verschiedenen Spielecommunities sein Unwesen. Nach Stationen bei Deutschlands kranker Horde in Counterstrike 1.6 ging es über das Browserspiel GalaxyNetwork, wo er später als GameMaster tätig war, zum Suchtspiel World of Warcraft. Hier durfte er sich bei der deutschen Gilde Affenjungs INC voll austoben.