Artikel Events Specials

gamesweekberlin – Das Zentrum der Spielkultur

3. Mai 2018

gamesweekberlin – Das Zentrum der Spielkultur

Als wichtigstes Videospiel-Event in Deutschland nennen viele Spieler sicherlich die in Köln ansässige gamescom. Doch auch kleinere Events, wie beispielsweise das PLAY-Festival in Hamburg, können begeistern. Wir waren entsprechend sehr gespannt, was die gamesweek in Berlin für uns bereithalten würde. Statt sich auf einen einzelnen Standort zu fixieren, wollte die gamesweek mit diversen Konzepten und Ideen in unterschiedlichen Locations die volle Bandbreite der Spielkultur vermitteln.

Berlin im Rausch der Spiele

A MAZE, Quo Vadis,  Womenize!, Unreal Fest Europe, Gamefest, APITs-Day, German Esports Summit, Berlin Games Breakfast, Seitenquiz. Ein abwechslungsreiches Programm versprach einen vollen Terminkalender. Und obwohl wir fast über die gesamte Dauer der gamesweek vor Ort waren, haben wir tatsächlich nicht alle Programmpunkte geschafft. Die gamesweek ist größtenteils vor allem für Mitarbeiter der Branche und die Presse relevant, doch auch die Verbraucher, also die Spieler, dürften bei dem ein oder anderen Event glücklich werden.

Dazu gehört beispielsweise das Gamefest und die A MAZE, welche beide recht nah beieinander sind. Das Gamefest zeigte seinem Publikum bereits veröffentlichte Spiele wie The Curious Expedition als auch vielversprechende Indies wie Lost Ember, die vor der Veröffentlichung von der breiten Masse angespielt werden konnten. Wer es lieber ruhiger angehen wollte, konnte seine Zeit auch mit Brettspielen oder dem Fotografieren der beiden Cosplay-Stargäste Maul Cosplay und Zayuri verbringen. Insgesamt präsentierte sich das Gamefest sowohl preislich als auch inhaltlich sehr familienfreundlich und ist auch für jüngere Teilnehmer durchaus geeignet, um mit dem Medium in Kontakt zu treten.

Die A MAZE wiederum begeisterte erneut die Liebhaber der Indies. Vom 25. bis 29. April konnte man sich auf dem Gelände der Urban Spree von morgens bis abends vom Programm berieseln lassen. Mehrere Talks und Workshops luden dazu ein, einen tieferen Einblick in die Spieleentwicklung und die Kultur der Videospiele im Allgemeinen zu bekommen. Daneben konnte man in der Ausstellung spannende Indies entdecken, welche am Freitag auch mit dem A MAZE Award und dazugehörigem Preisgeld bedacht wurden. Sowohl eine Jury als auch die Besucher selbst entschieden darüber, wer die Awards mit nach Hause nehmen durfte.

Most Amazing Game Award:
Attentat 1942 (CZ) – Charles University / Czech Academy of Sciences

The jury: The rise of populism and the people in it is more important now then ever. In that context Attentat 1942 is not just historically important and an emotional topic, but also uses the medium very creatively: It’s a new form of documentation.

Long Feature Award:
The Norwood Suite (US) – Cosmo D

The jury: The Norwood Suite invites to explore the most amazingly weird hotel. You can get lost in it forever and dive into the weird, but always consistent places. It’s not a game about characters, but the personality of the environment itself.

Collider Award:
Fountain (DE) – Philipp Stollenmayer

The jury: Fountain offers a new approach to art and perception. It’s not just about the art, but also about the audience and manages to build a bridge between revolutionary genre-confining modern artworks and modern technologies in the digital space.

Digital Moment Award:
Genital Jousting (SA) – Freelives

The jury: Genital Jousting has a much bigger and complex narrative than we would have guessed. It uses humor to convey a serious message about masculinity and growing up. The extended metaphors are creative and thoughtful: Working on a beautiful outside doesn’t make you beautiful inside.

Human Human Machine:
Tuned Out (US) – Shallow Games

The jury: Tuned Out manages to give a stage for little experiments and game ideas, which often get thrown away. We especially liked the dynamic interaction not just between players but also the machine.

Humble New Talent Award:
Bahiyya Khan (SA)

All five developers / teams have shown great talent with their work and should be on everyone’s radar: Bahiyya Khan (South Africa), Natalie Clayton (Scotland), Ivan Notaros (Serbia), Team Chain Reaction (Brazil), Team Little Brothers 2984 (South Korea). The winner is Bahiyya Khan from South Africa. Bahiyya has shown great talent with her game „after Hours“. Her work is experimental and has an opinion. This is exactly what A MAZE. stands for. Bahiyya represents a new generation of game developers. She brings a new voice and perspective to the games community and we are excited to have the opportunity to support her.

Wem der Trubel zu viel war, konnte sich, wie bereits im letzten Jahr, beim Berlin Games Breakfast einfinden, welches von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen organisiert wurde. Im politischen Dialog konnte man sich über Möglichkeiten der Monetarisierung und dem dazugehörigen Jugendschutz informieren und gemeinsam mit den Referenten über die Zukunft des Mediums diskutieren. Beim Seitenquiz konnte man wiederum sein Wissen unter Beweis stellen und durfte in geselliger Runde als Gruppe diverse Fragen zum Thema Gaming beantworten.

Während anderswo gefeiert wurde, war die Quo Vadis wiederum erneut der Treffpunkt deutscher sowie internationaler Entwickler und Publisher. Rund 70 Talks, Panels und Workshops zu Themen im Bereich der Entwicklung, Unternehmensführung und Innovation standen hier im Mittelpunkt. Erneut wurden vielversprechende Indies mit einem Award ausgezeichnet, welcher sowohl von der Jury als auch den Besuchern vergeben wurde.

Audience Award
1. Platz: FAR: Lone Sails
2. Platz: ViSP – Virtual Space Port
3. Platz: No Pen, No Paper

Jury Award
FAR: Lone Sails

Die Womenize! legte den Fokus auf die weiblichen Talente der Branche. Bei Keynotes und Präsentationen konnten sich Interessierte mit der Branche vertraut machen. In Workshops wurde sowohl Coaching für Berufseinsteiger als auch Hilfe bei der Gründung angeboten, um beim anschließenden Networking direkt mit interessierten Firmen in Kontakt zu treten, die neue Talente suchen.

Caroline ValdenaireDie gamesweek in Berlin war eine sehr interessante Erfahrung. Berlin ist aufgrund der sowieso schon hohen Entwicklerdichte der perfekte Standort für eine vollgepackte Woche voller Gaming. Kurzweilige Events sowie spannende Talks zum Thema Videospiele kommen bei größeren Events häufig zu kurz. Als Fan von kleineren Projekten konnte mich persönlich vor allem das familienfreundliche Gamefest als auch die A MAZE überzeugen. Doch auch die Womenize! und die Quo Vadis sind für angehende Talente einen Besuch wert. Es ist sehr beeindruckend, was für ein abwechslungsreiches Programm die gamesweek Berlin hier auf die Beine gestellt hat. Ich bin gerne auch im nächsten Jahr wieder dabei.

Bastian RühlSo sehr mich die Spiele und die teils sehr abgefahrenen Konzepte auf meiner ersten A MAZE auch begeistert haben, so waren es dann letzten Endes doch die Menschen und deren Offenheit, die einen noch bleibenderen Eindruck hinterlassen haben.

Zu Beginn wurde direkt der „Code Of Conduct“ angesprochen und dass hier kein Platz für Rassismus, Sexismus und jegliche Diskrimierung sei. Eigentlich sollte dies immer klar sein, eine eindeutige Ansage in diese Richtung erstickt aber oft Ausreißer im Keim. Das Team hielt Augen und Ohren offen, es gab eine E-Mail-Adresse, bei der Fehlverhalten anonym und schnell gemeldet werden konnte und diverse Ansprechpartner konnten schnell reagieren.

Wer scheinbar traurig oder verwirrt auf einer Bank saß, wurde – feinfühlig – von Teammitgliedern angesprochen und zu keinem Zeitpunkt konnte ich Aggressivität erkennen. Diverse Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern bestätigten mir meinen Eindruck diesbezüglich. Bei einer Veranstaltung, die tagelang und immer bis in die frühen Morgenstunden stattfindet, ist das (leider) nicht selbstverständlich. Insbesondere, da sehr lange Alkohol ausgeschenkt wurde und die Stimmung da sehr gerne mal kippt.

Abgerundet wurde die insgesamt sehr gute Stimmung natürlich mit den Spielen und den tollen Konzepten, die es zu bestaunen galt.

Ob ich mich nun vor Lachen kaum noch auf den Beinen halten kann, weil ich mir in VR selbst in den Zähnen herum bohre (Ghost Dentist) oder beim Gamesfest auf Donkey Kong Bongos schlage – der Spaß stand wieder einmal im Vordergrund und es wurde nicht nur viel gelacht, sondern auch viel Networking betrieben. Für Entwickler und Designer gab es mindestens genauso viel zu entdecken wie für Spielefans und die Mischung war meiner Ansicht nach mehr als ordentlich.

Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie viele Ideen in Spielen noch nicht umgesetzt wurden und wie weit dieser Bereich noch ausgereizt werden kann. Wer hätte gedacht, dass eine Tür und ein Kinect-Sensor für extrem viele Lacher und interessante Situationen führen könnte? Ich jedenfalls nicht. Auf der A MAZE wird selbst dies scheinbar zur Selbstverständlichkeit. Ich freue mich also jetzt schon auf‘s nächste Jahr und bin sehr gespannt, was sich die kreativen Köpfe der Games-Industrie wieder einfallen lassen. Ideen haben sie offenbar ja mehr als genug!

Caroline Valdenaire

Caro blickt auf eine abwechslungsreiche Spielekarriere zurück - schließlich darf sie sich schon seit Mitte der 90er ein Zockerweibchen nennen. Am liebsten spielt sie im Team, damit sie dann alle - wie im echten Leben - bemuttern kann. Inzwischen haben es ihr vor allem die Survivalspiele angetan. Bei Gameplane ist sie irgendwie Mädchen für alles, hauptsächlich aber Madame Chefredakteurin.