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Ein Redakteur im Bann der RPC 2015

Wir waren das erste Mal auf der Role Play Convention, kurz RPC, in Köln. Auf der Messe zu Rollenspielen und allem, was mit diesem Genre zu tun hat, gab es diverse interessante Dinge zu entdecken, die über das übliche Gaming hinausgehen. Larp, Tabletop, Trading Cards, Cosplay und andere Feinheiten zeigten uns wieder einmal, dass es neben der Konsole und dem PC auch andere Möglichkeiten gibt, Fantasy und Rollenspiel auszuleben. Trotzdem haben wir uns auch der uns bekanntesten Inkarnation gewidmet und ein paar schöne Titel anzocken können. Kaius hat seinen ganz eigenen Erfahrungsbericht verfasst, den er euch nicht vorenthalten möchte.

Es ist Samstag, der 16. Mai 2015. Ich setze mich in den Bus, später in den Zug, und habe ein Ziel: die RPC. Da ich einer der wenigen aus der Redaktion bin, die in der Nähe von Köln wohnen, habe ich mich dazu entschlossen, diese Fantasy-Messe zu besuchen. Dabei hatte ich damit bisher noch nie etwas damit zu tun, bin doch ein Zocker. Komme ich dort überhaupt auf meine Kosten? Laufen da nicht nur lauter verkleidete Freaks rum? Meine Erwartungen an die RPC liegen im Dunkeln, ich kann mir einfach nichts darunter vorstellen. Natürlich habe ich mich im Vorfeld darüber ein bisschen informiert, YouTube-Videos geschaut, auf denen ich … nun ja, lauter verkleidete Freaks gesehen habe. Nichts gegen Cosplay und Larp, aber ich sitze hier im Zug in Jeans und ausgewaschenem, viel zu engen Oberteil und komme mir vor wie der Spießer schlechthin. Bestimmt laufen dort alle verkleidet herum und ich leuchte wie die Venus im Dunkel der Nacht.

Die Bahn hält und ich steige in Köln-Deutz aus. Was mir als altem Gamescomer gleich auffällt: Ich kann auf dem Bahnsteig atmen. Sicherlich, ein paar interessierte Menschen laufen dort herum und streben Richtung Messe, doch es ist nicht zu vergleichen mit der gamescom, wo man bereits im Bahnhof klaustrophobische Zustände bekommt.

RPC 2015
Ich begrüße Sie auf der Erotika … äh, RPC

Nach einem kleineren Fußmarsch komme ich zum Osteingang, wo sich bereits ein paar hundert Menschen tummeln und rauchen, quatschen und sich gegenseitig ihre Spielzeuge zeigen. Ich komme als Presse-Man und suche die Akkreditierungsstelle, möchte einen der Messe-Aufseher fragen, wie ich denn dort hin kommen kann. „Hier kommt keiner mehr rein, es sind zu viele Leute“, sagt er und schaut mich nicht einmal dabei an. Ich bin ein bisschen konsterniert und versuche, mimisch auf mich aufmerksam zu machen, setze mehrmals an, ihn nach einer Wegbeschreibung zu fragen. Doch da der schnauzbärtige Türsteher betont über mich hinwegsieht, schalte ich mein Hirn ein, gehe zu dem Nebeneingang, der gar nicht als solches gekennzeichnet ist, und schleiche mich einfach rein. Ich sehe den Rücken des Türstehers und wünsche ihm noch viel Erfolg.

Drinnen ist es gar nicht so voll, wie der Mann gesagt hat. War der noch nie auf der gamescom? Ich finde die Akkreditierungsstelle, hole meinen Pass und warte geduldig, bis die RPC offiziell Einlass gewährt. Es riecht nach Kautschuk, Plastik, Schaumstoff und anderen Materialien, aus denen die Kostüme einiger Besucher gefertigt sind. Mit der Rolltreppe geht es in Halle 10.2, die übrigens die einzige Halle ist, die bei dieser Messe geöffnet ist. Das habe ich schon im Vorfeld gesehen und es eigentlich nicht geglaubt. Die RPC findet in nur einer einzigen Halle statt? Ich hatte mir Zeit genommen, den ganzen Tag dort zu verbringen, doch meine Vorahnung sagte mir, dass ich das nicht schaffen werde.

Gleich beim Betreten der Halle sehe ich einen bekannten YouTuber, der immer, aber auch immer dabei ist. Egal wo man ist, welches Video man anschaut, MrMoreGame ist da. Ich muss lachen, als ich ihn entdecke.

Da ich ausnahmsweise mal einer der Ersten bei so einer Messe bin, ist die Halle bis auf die Aussteller noch leer. Theoretisch könnte ich ja jetzt rennen, um die heißbegehrten Plätze zu ergattern, die sonst immer direkt stundenlang besetzt sind. Aber Moment: Ich bin ja gar nicht auf der gamescom. Hier sind keine Kiddies, die wie von der Tarantel gestochen durch den Besucherstrom hetzen, um vor allen anderen irgendwo zu sein. Im Gegenteil: Auf der RPC ticken die Uhren ein bisschen langsamer, Gemütlichkeit ist angesagt. Die Menschen bieten ein größeres Altersspektrum, es ist anders.

Tabletops, Gesellschaftsspiele und krasse Künstler

Bevor ich gezielt auf die Suche gehe, verschaffe ich mir einen Überblick und schlendere gemächlich durch die ganze Halle. Viele Aussteller arrangieren noch ihre Materialien und sind in eifrige Beschäftigung versunken. Ich flaniere vorbei an den Tischen diverser Comiczeichner und Fantasy-Artworks-Künstler und frage mich, wie es Menschen überhaupt möglich ist, derart gut zu zeichnen. Ich werde diese Stände später noch einmal besuchen und stehe dann dort vor diesen Bildern, die so genial sind, dass ich gar nicht weiß, was ich dazu jetzt noch schreiben soll.

Ich passiere auch viele, viele Tische, auf denen Brettspiele ausgebreitet sind, und die dazu einladen, gesellig beisammenzusitzen und zu spielen. Das Schwarze Auge, Die Werwölfe von Düsterwald, Iron Kingdoms, Pathfinder und diverse Gesellschaftsspiele von kompliziert aussehenden Star Wars– und Star Trek-Games mit viel Spielmaterial und einer großen Spielfläche bis hin zu kleineren Familienspielen, die schnell erklärt sind und auch jüngere Menschen begeistern können. Wie sich später herausstellt, werden diese Angebote reichlich genutzt. Die Tische sind voll. Überall wird miteinander geredet, gespielt, kommuniziert und ausprobiert. Ich finde das total klasse, weil es den Aspekt des Miteinander-Spielens deutlicher betont als es sämtliche Multiplayer-Online-Games je könnten. Ich bezweifle zum Beispiel stark, dass es bei dem gemeinsamen Spielen fremder Menschen in dieser Form zu unqualifizierten Aussagen kommt, zu Beleidigungen, zu Trollen, die das Spiel stören. Hier sitzt man sich Auge in Auge gegenüber, niemand hat eine große Klappe und hält sich für den King. Das ist eine angenehme Abwechslung zur Online-Mentalität, wo die Anonymität dazu verleitet, völlig ungeniert die Hosen runterzulassen und asozial zu sein.

 

RPC 2015
Trolle und Cheater

Ich gelange zu einer Spielstation, an der rings um einen Würfel Bildschirme und Controller platziert sind, die zum Zocken einladen. Ich bin es von der gamescom gewöhnt, dass sich an diesen Orten Menschentrauben befinden und ein Spielen fast unmöglich ist. Aber hier: absolut kein Problem. Später entdecke ich Games, die sogar ab 18 sind und wo ich einfach so reinspazieren kann, um eine Runde zu spielen. Ist das nicht famos? Wäre das nicht der Traum jedes gamescom-Besuchs? Warum gibt es auf der gamescom verdammt noch mal keine USK 18-Halle? Nun, das ist ein anderes Thema.

3 Kommentare

  1. Das liest sich wie ein gestriger Artikel von der Zeitzeugin. Hast du dich mit ihr abgesprochen? ^^

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