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Early Access – Eine Geschichte voller Missverständnisse

Early Access ist inzwischen in aller Munde. In den letzten Wochen gab es allerdings auch immer wieder negative Neuigkeiten zu dem Thema. Zuletzt sorgte besonders das Spiel Earth: Year 2066 für negative Schlagzeilen. Nach starker Kritik und Betrugsvorwürfen hat Steam nun das Spiel aus seinem Katalog genommen. Zeit sich mal zu fragen, ob Early Access sich in eine gute Richtung bewegt oder ob man langsam aber sicher auf dem Holzweg ist.

Das gelobte Land Kickstarter

Wenn man sich über Early Access Gedanken macht, so muss man schon etwas früher anfangen. Ein guter Punkt in der Geschichte ist der Erfolg der Kampagne von Double Fine’s Adventure Broken Age via Kickstarter. Everbody’s Darling Tim Schafer wollte ein neues Adventure produzieren. Dafür hat er sich aber keinen Publisher gesucht, sondern das Geld für die Produktion über Crowdfunding gesammelt. Das lief nicht nur gut, sondern mehr als gut. Innerhalb kürzester Zeit war nicht nur der gewünschte Betrag gesammelt, sondern viel mehr als man wahrscheinlich zu träumen gewagt hatte. So hat man alleine über Kickstarter letztendlich die hübsche Summe von 3,3 Millionen US-Dollar gesammelt.

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Dieser Erfolg schlug ziemlich hohe Wellen und das nicht nur in der Spielewelt. Zeitungen und Formate, die sonst eher dafür bekannt sind reißerische Artikel über böse Killerspiele zu schreiben, waren auf einmal von der Magie des Crowdfunding verzaubert und fanden Videospiele plötzlich ganz toll und künsterlisch wie auch sozial wichtig. Die größten Auswirkungen hatte die ganze Sache aber natürlich in der Spielewelt. Kickstarter ist für viele Spieler nicht nur ein bekannter Begriff geworden, sondern eine Seite, die regelmäßig abgerufen wird und wo man in diverse Projekte Geld investiert.

Shut up and take my money

Eine weiteres Ergebnis von Crowdfunding ist der so genannte Early Access. Grundsätzlich hat man einfach Spielern, die z.B. ein Spiel auf Kickstarter unterstützt haben, die Möglichkeit gegeben Vorabversionen des Spiels zu spielen. Inzwischen hat sich die Sache allerdings ziemlich verselbstständigt, da Early Access oft als Boni für Vorbesteller von Spielen angeboten wird. Das ist gerade für Entwickler und Publisher sehr praktisch. Vorbestellungen sind mehr oder weniger sicheres Geld mit dem man rechnen kann und wer mag sicheres Geld nicht? Ein weiterer schöner Nebeneffekt ist, dass man auch Spieler hat, die direkt oder indirekt das Spiel testen. Alpha und Betatests sind ziemlich zeitaufwendig und kosten natürlich auch wieder Geld. Noch besser ist es, wenn man dann Spieler hat, die das nicht nur umsonst machen, sondern indirekt auch noch Geld dafür bezahlen. Ich würde mich ziemlich freuen, wenn jemand meine Küche putzt und mir zwei Wochen vorher dafür noch 50€ gibt, damit er sich meine Küche schonmal angucken darf.

Die ganze Geschichte wird dann auch noch mit dem Argument verknüpft, dass die Spieler so aktiv an der Entwicklung teilnehmen können. Hier sollte man aber zumindest in den meisten Fällen die Fanbrille abnehmen und mal auf sein Hirn hören. Die Entwickler sind nicht deine Freunde, die geben dir kein Bier aus und passen auch im Urlaub nicht auf deinen Hund auf. Man möchte dir ein Produkt verkaufen und das möglichst einfach. Wem diese Ansicht noch nicht zynisch genug ist, der sollte sich die folgenden Worte von Rust Cole aus True Detective im genannten Zusammenhang anhören

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In diesem Fall sind du und ich nur einer unter vielen Kunden. Wir sind nichts besonderes und wenn Entwickler wirklich so stark an deiner oder meiner Meinung interessiert wären, dann hätten sie uns wahrscheinlich eingestellt.

Eine Medaille hat zwei Seiten

Man darf nicht den Fehler machen, alles grundsätzlich zu verteufeln. Viele Köche verderben den Brei und bei Spielen ist das nicht anders. Im Allgemeinen ist das Entwickeln von Videospielen ein kreativer Prozess. Hier sollten die Leute mit der entsprechenden Kreativität das Heft in der Hand halten und ihre Visionen verwirklichen. Hier ist die Masse nicht zwingend im Recht und wenn man hier zu stark auf andere Stimmen hören würde, so könnte aus einem Rennspiel plötzlich eine Pony Simulation werden, in der wir mit unseren Ponys auf Regenbögen reiten und dabei Babymetal hören. Das war jetzt natürlich ein Extrembeispiel, aber ich denke der Punkt sollte klar sein.

Ist Early Access jetzt eigentlich eine gute Sache oder nicht? Das ist eine Frage, die sich nur im Einzelfall beantworten lässt. Trotzdem bietet die Sache wie gesagt so einige Fallstricke für den geneigten Kunden.

  • Man gibt dem Entwickler und dem Publisher einen Vertrauensvorschub, den er vielleicht nicht verdient hat.
  • Es werden oft falsche Erwartungen an die eigene Möglichkeit zur Mitwirkung geweckt, die dann enttäuscht werden.
  • Alpha- oder Betaversionen können ein schlechtes Bild auf ein Spiel werfen, das später vielleicht wesentlich besser ist.

Diese Punkte sollte man durchaus mal im Hinterkopf behalten, wenn mal wieder ein Spiel mit Early Access wirbt und man schon wieder shut up and take my money schreien will. Letztendlich steckt Crowdfunding und Early Access, was Videospiele angeht, noch in den Kinderschuhen und ich bin zumindest gespannt darauf, in welche Richtung sich dieses Konzept noch bewegen wird.

 

 

Ein Kommentar

  1. Rust ist in Deutsch noch viel besser ;D (Ist selten der Fall, aber ich liebe seine Stimme)
    PS: Gutes Thema !

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