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Der Untergang von Minecraft?

Na, das war ja abzusehen. Minecraft ist ein dermaßen beliebtes und Altersgruppen übergreifendes Spiel, dass die News, dass Microsoft das Entwicklerstudio Mojang für sage und schreibe 2,5 Milliarden Dollar gekauft hat, einschlug wie eine Bombe.

Was Minecraft angeht wird derzeit über nichts anderes mehr berichtet. Spekulationen um die Zukunft des einstigen Indie-Hits übertreffen sich stündlich mit den waghalsigsten Vermutungen.

Fakt ist, dass Notch aka Markus Persson, Leiter von Mojang, das Studio für ordentlich Geld verschachert hat. Ich muss zugeben: ein wirklich hübsches Sümmchen. Natürlich hat er den Verkauf nicht für Geld getätigt, sondern, weil er wieder frei sein möchte. Okay. Geärgert haben wird er sich über die Kohle aber auch nicht.

Vom Indie-Geheimtipp zum kommerziellen Produkt

Doch Notch hat ja gar nicht so unrecht. Minecraft startete seinerzeit als ethusiastisches Ein-Mann-Projekt, wo sich nach und nach weitere talentierte Programmierer zugesellten, so dass daraus ein fertiges Spiel wurde, das bereits in der Pre-Alpha-Version einen ganz und gar neuen und furchtbar süchtig machenden Charme versprühte.

Indie ist die Kurzform von Independent, also unabhängig. Mojang, so nannte sich die Firma schließlich, war unabhängig von großen Publishern, von Termindruck, von hohen Erwartungen und allem anderen, was die Entwicklung eines Spiels so furchtbar anstrengend und zermürbend machen kann. Da saßen ein paar sehr schlaue Nerds beisammen und erschufen ein Spiel, das ihnen sehr am Herzen lag und viel Spaß bereitete. Minecraft war das Lego der Moderne und bot Spielraum für unzählige kreative Möglichkeiten. Die Fanbase formierte sich rasant, erst recht, als das Spiel in der Let’s Play-Szene, allen voran bei Gronkh, angekommen war. Das war die Explosion, die Gaming-Videos schossen wie Unkraut aus dem Boden, Modder gruppierten sich, Karrieren begannen. Minecraft war billig, Updates kamen am laufenden Band und die Community hatte ungewöhnlich viel Mitspracherecht, was den Fortgang des Spiels angeht.

Minecraft traf einen Nerv und wuchs zum Indie-Supergiganten. Mojang war dabei stets ausgesprochen sympathisch. Junge, unkonventionelle Kerle, die gemeinsam mit den Fans an einem Spiel arbeiteten, die die Minecon ins Leben riefen, denen jedes noch so kleine Update, jeder noch so mickrige Bugfix aus den Händen gerissen wurde.

Mann, was waren das Zeiten. Das hatte etwas von Aufbruchstimmung, Goldgräbermentalität, Revolution auf dem Spielemarkt. Gibt es eigentlich irgendjemanden, der noch nie Minecraft gespielt hat?

Mojang weitete sein Geschäftsfeld aus. Sonys und Microsofts Konsolen wurden in Angriff genommen, Abstriche zwecks Portierungsmöglichkeit mussten gemacht werden, es gab irgendwann eine Pocket-Edition für Smartphones und Tablets, mit Lego wurde kooperiert, Warner Brothers will einen Film drehen, Merchandising-Artikel gibt es in Hülle und Fülle. Der Kommerz hatte Minecraft in fester Hand und nach und nach ging viel vom ursprünglichen Charme verloren. Updates kamen nach wie vor, jedoch mit scheinbar unnötigen Dingen, die sich die Community nicht gewünscht hatte. Aber man akzeptierte es und wusste sich daran zu erfreuen. Zu dieser Zeit hatte Notch bereits längst Minecraft verlassen, um sich anderen Spielen bei Mojang zu widmen.

Mit dem aktuellen milliardenschwerden Deal erreicht die Entwicklung einen Höhepunkt, mit dem wohl niemand in der Form gerechnet hätte. Minecraft verliert nun ganz offiziell seinen Indie-Status und wird in das große Gaming-System eingeschleust.

Um was für eine Situation handelt es sich hier? Eine Win-Win-Win-Siuation? Microsoft, Mojang und die Fans können sich alle über einen riesigen Fortschritt freuen? Klingt arg unrealistisch, oder?

minecraft windows creeper

2,5 Milliarden Dollar wollen wieder reingeholt werden

Mojang muss sich fortan Microsoft und deren Ideen unterwerfen. Die Community hat tolle Ideen? Wenn der große Boss das als nicht lukrativ empfindet, wird es nicht entwickelt.

Nicht lukrativ? Moment mal … wo gibt es bei Minecraft noch etwas zu gewinnen? Das Spiel hat seinen Zenit von den Verkaufszahlen her längst überschritten. Einmal zwanzig Euro bezahlt und gut ist. An anderer Stelle im Netz habe ich die kühne Vermutung gelesen, dass Microsoft auch auf den Free2Play-Zug aufspringen könnte, um für neue Updates oder besondere DLCs bares Geld zu verlangen. Wäre das unrealistisch? Ganz und gar nicht.

Mir versetzte die Meldung auf jeden Fall einen Stich in die Magengrube. Mein Bauchgefühl meldete sich und behauptete, dass das nichts Gutes sei. Zudem verlässt Oberguru Notch Mojang, weil ihm alles über den Kopf gewachsen sei.

Autsch. Noch ein Hieb in die Niere. Er war zwar schon lange nicht mehr aktiv an der Entwicklung beteiligt, aber als Gründer des Ganzen hat man immer die Vermutung gehabt, dass er hin und wieder mal einen väterlichen Blick auf sein Meisterwerk geworfen hatte. Nun geht er und mit ihm zwei weitere Gründungsmitglieder.

Auch habe ich gelesen, dass man sich von Microsofts Seite aus zunächst der mobilen Version widmen wolle, diese mit deutlich mehr Features unterstützen möchte. Klingt im Grunde genommen gut.

Aber der Hammer wird noch kommen, nämlich dann, wenn Microsoft die Unmengen des gerade losgewordenen Geldes wieder reinholen möchte.

Liebe Minecraft-Community: Zückt eure Portemonnaies, schlachtet eure Sparschweine – es wird teuer.

Sollte sich eine Art Bezahlmodell etablieren, glaube ich jedoch, dass sich auch eine Gegenbewegung formieren wird. Immerhin ist das Java-basierte Spiel realtiv leicht umzuprogrammieren, was man an der Unmenge an Mods ja deutlich sehen kann. Im Nullkommanichts würde es im Netzt wahrscheinlich eine alternative Minecraft-Version geben, die jedoch, auch das ist meine Vermutung, im Laufe der Jahre mehr und mehr fragmentieren würde, weil eben doch kein großes Entwicklerteam mehr dahinter steckt.

Ach, man könnte so viel spekulieren, es herrscht Angst im Netzt, einen liebgewordenen Freund an die dekadente Tussi aus der Nachbarchaft verloren zu haben.

Letztlich, bei allem Unmut, allem Ärger oder auch ein bisschen Freude: Minecraft ist … ein Spiel. Nicht mehr, nicht weniger. Trends kommen und gehen. Und sollte mit dem Verkauf an Microsoft eine kurze aber intensive und sehr schöne Ära zu Ende gehen, dann denken wir an die Zeit zurück, die wir gemeinsam in diesem alternativen Universum verbracht haben, und freuen uns auf die Spiele, die und in den nächsten Jahren erwarten werden.

Und wer weiß: Vielleicht kommt irgendwann ein kleines Entwicklerstudio daher, das uns ein scheinbar oberflächliches Spielchen präsentiert, das aber zu einem neuem Hit wird, das Abertausende über lange Zeit begeistern kann.

 

PS: Ich habe in diesem Artikel kein einziges Mal „Klötzchen-Spiel“ verwendet … Mist!

Über Kai Seuthe

Kai Seuthe
Kaius spielt seit der Grundschule und wird das auch noch im Altersheim tun. Er ist als Let's Player KiltKaius unterwegs, schreibt Bücher und macht noch viele andere kreative Dinge. Retro-Spiele mag er, Rechtschreibfehler nicht. Darum kümmert er sich auch darum.

Ein Kommentar

  1. Ach ganz erlich Notch war und ist leider ein Geld geiles Arschloch. Er hatte soviele projekte die er wegen mangelnde einnahmen abgebrochen hat. Klar so ein verkaufsschlager wie Minecraft wird es nie wieder geben aber an sowas merkt man doch das Menschen Gierig sind. Tja jetzt werden wir warscheinlich für Minecraft nur noch DLC’s bekommen :)

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