Home » Artikel » Reviews » Dead Space (Mobil) – Review

Dead Space (Mobil) – Review

Dead Space startete 2008 seinen Siegeszug als Survival-Horror-Vorreiter, war kommerziell jedoch nicht sonderlich erfolgreich. Die Kritiker lobten den innovativen Schocker, es bildete sich eine Fanbase, sodass die beiden Folgetitel für EA entsprechend medienwirksam propagiert und zu einem Erfolg wurden.

Dead Space 2 kam Anfang 2011 auf den gängigsten Konsolen und PC heraus und knüpft von der Geschichte her am Vorgänger an.

Etwa einen Monat vorher wurde bereits die Portierung für Mobilgeräte mit iOS-Betriebssystem veröffentlicht. Ende des Jahres dann auch für Android-Geräte.

Ich entdeckte den Android-Titel erst vor Kurzem im Google Play Store und dachte, das sei etwas ganz Neues. Nachdem ich mich in meiner Kolumne über Casual-Mist ausgelassen hatte, war mir dieses Spiel herzlich willkommen, sodass ich mich dessen annahm, um es eingehend zu prüfen. Ich kann bereits jetzt andeuten, dass es eine willkommene Abwechslung war, Dead Space auf dem Smartphone zu spielen, auch wenn es nicht ganz perfekt ist.

Dead Space mobil Android

 Hohe Erwartungen

Zunächst muss ich zugeben, dass ich keines der Dead Space-Spiele je gespielt habe. Damals hatte ich mir die Demoversion des ersten Teils auf die PlayStation 3 geladen, weil ich schon so viel darüber gehört hatte. Es hieß, es sei so grauenerregend, so beängstigend, wie kein anderes Spiel zuvor. Reichlich Gore und Beklemmungen seien nicht jedermanns Sache.

Ich zockte die Demo an und hatte echt Schiss in der Hose. Puh, das war schon richtig gruselig. Seitdem habe ich die Finger davon gelassen, weil es mich irgendwie auch abgeschreckt hatte.

Letztes Jahr kam der inzwischen dritte Teil auf den Markt, von dem ich mir hier und da ein paar Parts aus Let’s Plays anschaute.

Vor ein paar Wochen sah ich dann die Android-Version im Store und dachte: Jetzt riskiere ich aber mal einen Blick. Dass mich der Horror nicht so packen würde, wie auf der Konsole, ahnte ich bereits, denn es ist immer noch ein Unterschied, ob ich vor einem großen Bildschirm sitze und mich akustisch und stimmungsmäßig gefangen nehmen lassen kann, oder ob ich mit krummen Hals über dem Display eines Smartphones sitze, wo es kaum möglich ist, die Umwelt derart auszublenden.

Dead Space mobil Android

Necromorph auf der Titan-Station

Dead Space (Mobil) bildet eine Schnittstelle zwischen dem ersten und dem zweiten Teil und zeigt, wie es dazu kam, dass sich die Necromorph im Sprawl vom Regierungssektor auf den zivilen Sektor ausbreiten konnten.

Wie schlüpfen in die Rolle eines Technikers, der den Codenamen Vandal erhält. Erst vor Kurzem ist er zur Unitology konvertiert, der größten religiösen Gemeinschaft im Universum. Seine Aufgabe ist es, in der Titan-Station (Sprawl), die auf den Überresten des Saturn-Mondes Titan gebaut ist, Serverräume zu deaktivieren, damit die Necromorph-Plage eingedämmt werden kann.

Doch Vandal wird reingelegt und es zeigt sich, dass durch seine Aktionen Schleusentore geöffnet wurden, die das Ausströmen der Aliens in den öffentlichen Sektor ermöglichen. Ups.

Vandal muss fliehen und ist dabei über ein Headset mit Tyler Radikov verbunden, der ihm helfen möchte, von der Raumstation zu fliehen. Am Ende erwartet uns eine unangenehme Überraschung, die ich hier aber nicht spoilern möchte.

Mehr Waffen, weniger Gedärme

Da ich völlig jungfräulich ins Dead Space-Universum geschmissen wurde, war für mich alles neu: die Waffen, die Monster, die Steuerung und was das Horrorspiel sonst noch ausmacht.

Dass die Waffen eigentlich Werkzeuge sind, überraschte mich positiv, das ist mal eine ganz andere Herangehensweise. Im Gegensatz zu den großen Brüdern bietet die Mobile Version jedoch drei neue Schnetzelwerkzeuge, die effektiv eingesetzt werden können. Da gibt es zum Beispiel die Plasmasäge, womit sich Necromorphs wunderbar zerstückeln lassen. Das sieht ganz nett aus und macht auch noch Spaß. Hat man einem der Fieslinge damit die Beine abgetrennt, lässt es sich gleich viel entspannter Kämpfen. Zur Not darf man den Schädel des Monsters mit einem beherzten Fußtritt zu Brei verwandeln. Davon bekommt man zwar nicht viel zu sehen, aber es hört sich eindrucksvoll an.

Der Entkerner arbeitet ähnlich, hat aber deutlich mehr Power. Er eignet sich gut für die dicken Brocken. Zuletzt kann man für den Gegenwert von schlappen 200.000 Credits im Store das schwere Impulsgewehr kaufe. Der Clou: Es hat eine hohe Feuerrate und unendlich Munition.

Die Möglichkeiten, sich in RPG-Manier zu upgraden und seine Waffen zu verbessern sind auch in den großen Teilen bekannt. Fast jedes erlegte Monster hinterlässt Munition oder Credits. Ganz selten gibt es sogenannte Plasmaknoten zu finden, mit denen sich zum Beispiel der Schutzanzug verbessern lässt. Ich denke, das ist nichts Neues.

Auch den Monstern blieb EA treu. Die Necromorph sind eigentlich Leichen verstorbener Menschen, die durch eine außerirdische Infektion zu neuem Leben erweckt werden und mutieren, sodass grauenvolle Mutanten entstehen, die zu viele Gliedmaßen haben, ihre entstellten Extremitäten als Waffen benutzen oder mit anderen Infizierten verschmelzen und zu großen, sehr unhöflichen Biestern werden.

„Oh Gott. Das sind keine Aliens … das sind Menschen!“

Die Feinde sind wirklich fies und unterscheiden sich nicht zu denen im Originalspiel. Mich überraschte, dass die Auswahl der Gegner recht übersichtlich war und sich in den späteren der insgesamt zwölf Kapitel häufig dieselben wandelnden Leichen befanden, wie am Anfang, nur ein bisschen stärker. Da hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht.Dead Space mobil Android

Grafisch kann das Spiel natürlich auch nicht mit den großen Versionen mithalten, da für ein Smartphone dann doch zu wenig Rechenleistung dahinter steckt. Die eckigen Monster und die flächenmäßigen Texturen erinnern immerhin an frühe PS3-Zeiten, was für ein Mobiltelefon gar nicht mal so schlecht ist. Gar nicht mal so schlecht? Vor rund Elf Jahren habe ich noch Snake auf einem schwarz-weiß Nokia-Handy gespielt. Wenn man sich das mal reinzieht, dann ist das Spiel bombastisch. Aber auch im Vergleich zu anderen aktuellen Spielen (immerhin ist Dead Space mittlerweile auch schon über drei Jahre alt) kann sich der Survival-Horror sehen lassen. Es läuft flüssig, selbst bei hohem Gegneraufkommen.

Spannung ist ein schönes Wort

Dead Space war seinerzeit berüchtigt für die beklemmenden Angstgefühle, die es im Spieler auslöste. Diese immerwährende Anspannung, das Gefühl der Bedrohung, die Panik vor der nächsten Ecke, hinter der eine der ungestalteten Kreaturen auf einen lauert, um einen auf brutalste Weise zu zerfleischen. Die Todesanimationen bringen auf YouTube viele Klicks, weil sie so gut und so brutal inszeniert sind. Alexandre Aja, mein Lieblingsregisseur französischer Gore-Metzeleien, hätte seinen Spaß daran.

Nun habe ich aber die Android-Version getestet und die konnte mich dahingehend nicht überzeugen. Die übertrieben blutigen Abschlacht-Exzesse sowohl auf menschlicher als auch auf monströser Seite kamen hier nicht zur Geltung. Und da merkte ich, dass eben jener Teil des Spiels einen großen Reiz auszumachen scheint, auf den die Entwickler gesetzt haben. Denn dadurch kommt das eigentliche Spielprinzip deutlicher zur Geltung – und das war stellenweise sogar ziemlich langweilig.

Eingangs erwähnte ich, dass ein Horrorspiel auf einem winzigen Display kaum die Wirkung entfalten kann wie auf einem großen Bildschirm. Trotz Kopfhörer und Dunkelheit kam bei mir an keiner Stelle von Dead Space ein besonders mulmiges Gefühl auf. Vielmehr fiel mir auf, wie genervt ich reagierte, wenn ich wiedermal in einem Raum eingeschlossen war und mich mit wenig Munition gegen ein Dutzend der immer gleichen Monster zur Wehr setzen musste. Ab der Hälfte des Spiels wurde das echt eintönig. Dass das Besiegen der Necromorph mit etwas Übung ziemlich einfach war, kommt noch hinzu.

Welche Faktoren außer dem Mini-Smartphone-Display noch dazu beigetragen haben, dass ich mich nicht gruseln konnte, kann ich schwer sagen. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch.

Trotzdem ist Dead Space in der mobilen Version immer noch ein gutes Spiel, das die meisten anderen Games aus den App-Stores in den Schatten stellt, weil es eben ein richtiges Spiel ist und kein Zeitvertreib, während man auf den Bus wartet.

Dead Space mobil AndroidDer fehlende Gruselfaktor, die eintönigen Monster und die sich häufig wiederholenden gescripteten Szenarien sind ärgerlich. Aber es gibt auch gute Seiten.

Zum Beispiel beginnt unser Protagonist Vandal mit fortschreitendem Spielverlauf zu halluzinieren, was einen immer mal wieder aus dem Alltagstrott reißt. Plötzlich sehen wir uns selbst gegenüber oder wandeln als Slasher umher, hängen in einer Art Wüste fest und merken, dass wir langsam aber sicher verrückt werden. Man erkennt Parallelen zu Isaac Clarke, dem Hauptcharakter der regulären Spielreihe. Oder in einer Szene rennen wir durch einen Gang, der nie aufzuhören scheint und in dem sich unsere Wahrnehmung verzerrt. Das war schon cool.

Derlei Sachen gibt es leider zu wenig, was bei einer Gesamtspielzeit von rund vier Stunden aber auch nicht hätte überstrapaziert werden dürfen. Der Endgegner hat noch einen schönen Auftritt bekommen, war im Endeffekt aber auch zu leicht zu besiegen, wenn man einmal wusste, wie man es anstellen sollte. Er wäre in einem großen Spiel ein würdiger Zwischengegner gewesen.

Hat man das Spiel schließlich beendet, gibt es die Möglichkeit, das Ganze erneut durchzuspielen, diesmal jedoch mit der Möglichkeit, die krassen Wummen gleich von Anfang an zu benutzen. Das ist nicht schlecht, weil man dadurch rascher durchkommt, um die restlichen Achievements freizuschalten. Zur Belohnung gibt es nette Konzeptzeichnungen und andere Bilder.

Die Steuerung auf dem Smartphone

Zum Schluss noch ein kurzes Wort zur Steuerung. Ich habe gelesen, dass diese so super sein soll. Finde ich nicht. Ich sage es immer wieder, dass die Portierung von Konsolensteuerung auf Smartphones schwierig ist. Bei Dead Space hat man sich größtmögliche Mühe gegeben, und im Großen und Ganzen ist sie auch in Ordnung. Aber bei Weitem nicht perfekt. Immer wieder passierte es mir, dass ich zu weit in den falschen Steuerbereich rutschte (linke Seite: Bewegungen, rechte Seite: Kamera), was gerade in hektischen Kampfsituationen nicht gerade von Vorteil war. Hinzu kam, dass ich andauernd über das Display hinaus steuerte – wo ja nichts ist.

Schlimm fand ich die 360°-Drehung von Vandal. So etwas Nutzloses habe ich lange nicht gesehen. Eigentlich soll so ein Move dazu beitragen, Herr der Lage zu sein und sich rasch den Geschehnissen hinter dem Rücken zuwenden zu können. Doch unser Charakter dreht sich so langsam wie ein Rentner mit Hüftschaden, sodass die Funktion obsolet wirkt und uns keinen Vorteil bietet, ja, alles sogar noch schlimmer macht.

Letztlich kann ich Dead Space in der mobilen Version trotzdem allen empfehlen, die mal etwas Innovativeres und einfach Anderes zocken möchten. Man darf nur nicht die Erwartung haben, einen Knaller wie auf dem PC und den Konsolen zu bekommen, sonst wird man enttäuscht.

 

Sag uns deine Meinung:

Auch interessant!

Amazon

Amazon Cyber Monday – Deals und Angebote am 23.11.2017

Donnerstag! Bald haben wir die Woche hinter uns gebracht. Zum Glück gibt es aber bis ...