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Crytek im Niedergang

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Über dem Firmensitz von Crytek in Frankfurt dürften momentan ziemlich düstere Wolken stehen. Seit Wochen tauchen immer wieder Meldungen und Gerüchte über Crytek auf, die darauf hinweisen, dass die Zukunft des Unternehmens nicht gerade rosig aussieht. Nun möchte ich mich nicht an Spekulationen über die genaue Lage beteiligen, sondern eher erklären, warum Crytek erst in diese Lage gekommen sein könnte.

Von Mutanten und Supersoldaten

Crytek war, über Jahre hinweg, quasi das Aushängeschild der Entwicklerszene in Deutschland. Das Unternehmen stand dafür, dass auch oder gerade in Deutschland hochwertige Spiele produziert werden, die nicht nur überzeugen, sondern sogar Akzente setzen können. Wenn man früher an Spiele aus Deutschland gedacht hat, so sind einem eher Spiele aus der Ecke „Die Siedler“ in den Sinn gekommen und nicht Hochglanz-Shooter wie ein „Crysis“. Angefangen hat alles im Jahre 2004 mit Far Cry, das nicht nur – für die Zeit – unglaubliche Grafik geboten hat, sondern auch spielerische Freiheit und eine außergewöhnlich clevere KI. Ebenfalls bot die Story durch seinen Trash-Faktor das gewisse Etwas. Weiter ging es dann mit Crysis, das letztendlich die logische Weiterführung der Stärken von Far Cry war. Wieder gab es bombastische Grafik, relativ spielerische Freiheit und als Kernelement den Nanosuit.

Für mich zeigte allerdings schon damals Crysis gewisse Schwächen. Far Cry konnte man noch als gut gemachte und technisch grandiose Hommage an B-Movies der 80er und 90er zählen. Die Story über einen durchgedrehten Wissenschaftler, der auf einer einsamen Insel Mutanten züchtet, um die Weltherrschaft an sich zu reißen und von einem Ex-Soldaten in die Schranken gewiesen wird, ist sicherlich kein Meisterstück, hatte aber einen gewissen Charme und eine gute Portion Selbstironie. Nicht unbedingt einfallsreicher war dagegen die Story von Crysis. Dort kämpfen gute patriotische Supersoldaten nicht nur gegen böse Kommunisten, sondern auch gegen Aliens, die natürlich die Menschheit auslöschen wollen. Was die Charakter angeht, so präsentierte uns Crysis einen Blumenstrauß der Stereotypen. Das Team der Supersoldaten besteht aus zwei austauschbaren Soldaten, die in Star Trek eine rote Uniform getragen hätten und folgerichtig in den ersten 15 Minuten sterben. Dazu kommen noch der bemüht harte und coole Psycho, der 0815 Anführer Prophet und Schwiegermutters Traum Nomad. Vervollständigt wird der Zirkus dann noch von der natürlich hübschen und schlauen Wissenschaftlerin und dem skrupellosen General als Gegenspieler. Nun hätte das überzeugen sein können, wenn man das mit einer Prise Selbstironie und Augenzwinkern präsentiert hätte.

Crytek

Wirklich zufrieden, schien man mit der Story dann auch im Hause Crytek nicht gewesen zu sein, denn Crysis 2 segelte letztendlich haarscharf dran vorbei ein Relaunch zu sein. Charaktere und Setting wurden ausgetauscht und die Aliens in Crysis 2 haben quasi nichts mehr mit den Aliens aus dem Vorgänger zu tun. Klar hat man hier und da versucht einen Bezug zum Vorgänger herzustellen, aber das wirkte für mich immer ungeschickt, weil sehr offensichtlich konstruiert. Besonders enttäuschend fand ich die hanebüchene Story, die von Richard Morgan geschrieben wurde. Der gute Herr hat mit der Takeshi Kovacs Saga zumindest meine liebsten Science-Fiction Bücher geschrieben und gerade diese Serie ist durchaus clever und nicht eindimensional. Leider kann man das über die Story von Crysis 2 nicht unbedingt behaupten.

Was Crysis 3 angeht, so war mir letztendlich die Story dann komplett egal und ich hab mich nur noch darauf beschränkt, die Grafik zu genießen und auf Aliens zu schießen. Hier liegt dann meiner Meinung nach auch der Hund begraben. Crytek hat ohne Zweifel, was die Qualität angeht, hochwertige Spiele abgeliefert, was mir aber immer gefehlt hat war, mehr oder weniger, die Seele in den Spielen. Okay – Battlefield und Call Of Duty sind jetzt auch nicht unbedingt Meisterstücke was Storywriting oder Innovation angeht, aber gerade wenn der Markt schon so eng ist, dann muss eine Firma wie Crytek einfach mehr bringen als gute Grafik als Aushängeschild.

Ob Crytek bald Geschichte sein wird, dass kann ich nicht sagen. Es wäre für mich aber nicht unbedingt überraschend, wenn Crytek bald in dieser Form nicht mehr existieren wird. Die eigentliche Frage die ich mir aber stelle ist folgende:

Werde ich Crytek eigentlich vermissen?

3 Kommentare

  1. Crytek hat die situation von heute an Cevat Yerli zu danken. Er hört nicht zu und steckt den Kopf in den Sand. Alles braucht, wie er will und er weiß nicht, seine Gemeinde und sein Publikum zu hören. Er will nur unser Geld und denkt mit glatten reden, uns davon zu überzeugen. Crysis 2 war ein Beispiel für Faulheit und kein Mod SDK in Crysis 3 war der Todesstoß. Niemand glaubt Cevat Yerli noch, aber er selbst. Ryse für die PC ?, während es auf der Xbox floppte und denken also noch Geld damit verdienen zu können auf PC. Will Crytek im leben bleiben sollen die Cevat Yerli entlassen. Aber das wird warscheinlich nie passieren, fürchte ich. Schade. R.I.P. Crytek!

  2. Andreas M. Heitmann

    Gefällt mir gar nicht. Ich hoffe, dass die Firma nicht über die Medien kaputt geschrieben wird …

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