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Castle Of Illusion – Review

5. August 2014
Kai Seuthe

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Castle Of Illusion – Review

Wir schreiben das Jahr 1990. Das Sega Master System ist die direkte Konkurrenzkonsole zum NES. Auf beiden System gibt es viele gute Titel. Disney brachte das Spiel Castle Of Illusion heraus, das ich selber zur damaligen Zeit gespielt habe. Die Erinnerungen daran sind schwach, ähneln alten Fotografien, die wie Blitzlichter aufleuchten aber kein zusammenhängendes Bild mehr ergeben.

Satte vierundzwanzig Jahre später nimmt sich Sega (mittlerweile nur noch als Publisher tätig) dieses Spiels, das sich damals gut verkaufte, erneut an, und beamt es völlig neu aufgelegt in die heutige Zeit. Neue Grafik, neuer Sound, von komplett 2D zu teilweise 3D. Nur einer Sache blieb der Publisher treu: dem Inhalt.

Ist der saftige Preis gerechtfertigt?

Castle Of Illusion ist als Download erhältlich im PlayStation Network, bei Xbox Live Arcade, für iOS– und Androidgeräte, sowie als reguläres Computerspiel für Windows und Mac. Gameplane.de testete das Spiel auf dem Motorola Moto G. Bei einem Preis von 7,49 € erwarteten wir eine Gaming-App erster Güte. Hier ist unser Eindruck.

Castle Of Illusion Eingangshalle

Zunächst wird uns in Bilderbuch-Art von einer englischsprachigen Erzählerstimme berichtet, wie sehr sich Mickey und Minnie lieben. Sie tänzeln auf den Wiesen, genießen das schöne Wetter und erfreuen sich des Lebens, bis auf einmal die böse und hässliche Hexe Mizrabel auftaucht und Minnie entführt. Sie hat den Plan, die Schönheit der Mäusedame auf sich selbst zu übertragen, um nicht mehr die krötenhaft dreinblickende Schabracke zu sein, die sie nun mal ist.

Klassisches Motiv – auf geht die Reise

Mickey verschlägt es, wie der Name des Titels bereits verrät, ins Castle Of Illusion, das Schloss der Illusion. Dort scheint es nicht mit rechten Dingen zuzugehen, denn die Welt, die er kennt, existiert dort auf eine eigentümliche Weise: Spielzeuge marschieren, Baumstümpfe wandeln, Fischgräten schwimmen und Geister lachen ihn aus.

Um am Minnie gelangen zu können, muss Mickey eine Regebogenzauberbrücke beschwören, was nur geht, wenn er die sieben Regenbogensteine besitzt, die dazu als Team in der Lage sind.

Regenbogenbrücke

Dementsprechend gilt es, in Castle of Illusion fünf verschiedene Welten zu bereisen. Den Wald, das Spielzeugland, die Sturmwelt, die Bücherei und den Uhrenturm. Um von einer Welt in die nächste zu gelangen, ist es nötig, eine bestimmte Anzahl an Sternen zu besitzen, die man im jedem Level als genretypisches Sammelobjekt einfangen muss.

Nostalgische Erinnerungen werden wach

Die Welten von Castle of Illusion sind allesamt sehr liebevoll gestaltet. Bunte Fantasy-Wesen machen dem Mäuserich das Leben schwer, Hintergründe interagieren mit dem spieltechnisch relevanten Vordergrund. Lustig: Etliche Levelabschnitte wurden eins zu eins vom Original übernommen. So begegnet uns beispielsweise im ersten Level an exakt derselben Stelle wie im Spiel von 1990 ein Gegner und es befinden sich die einzusammelnden Sterne an den gleichen Orten und Verstecken wie damals.

Die Animationen sind flüssig, die Details gut ausgearbeitet. Optisch bietet Castle of Illusion viel von dem, was auch moderne Games ausmacht, und das, obwohl es sich „nur“ um ein Jump ’n‘ Run handelt. Auch das Spielprinzip wurde übernommen. Wir springen wie früher dem Gegner auf dem Kopf, um ihn zu erledigen, hüpfen über Schluchten, nutzen Spinnen als Sprungbrett, um an höher gelegene Hindernisse zu kommen und so weiter. Wir kennen das, das ist uns vertraut.

Castle Of Illusion Turm zur Hexe

Dahingehend gibt es keinen Unterschied zum Original, und das ist auch einer der Minuspunkte dieses Spiels: Die Möglichkeit, das 2D-Schema zu sprengen, hätte Castle Of Illusion gut getan. Einmal müssen wir vor einem Apfel flüchten. Zwar läuft diese Flucht relativ stereotypisch ab, doch immerhin wird der Eindruck vermittelt, wir wären in der Lage, alle drei Ebenen zu nutzen.

Ein anderes Mal gibt es in Castle of Illusion ein kleines Spiegelrätsel, das uns von der 2D- in die 3D-Welt portiert. Das ist zwar nur ein kurzes Vergnügen, lockert aber das Spielgeschehen ungemein auf, denn eintönige 2D-Hüpferei zieht heute kaum noch – es sei denn, sie bietet etwas Besonderes wie z.B. in Super Meat Boy. Die Kämpfe mit den Zwischengegnern sind zum Teil in 3D, was im Original natürlich auch nicht der Fall war. Insgesamt betrachtet sind diese Passagen jedoch zu kurz, um das, trotz neuer Optik, angestaubte Spiel ob seiner altertümlichen Levelstrukturen aufzuwerten.

freigeschaltetes Bild

Der Sound von Castle of Illusion ist ohne Zweifel völlig in Ordnung. Die Figuren sind, typisch Disney, comichaft synchronisiert, der Erzähler, der uns durch die Geschichte führt und einen roten Faden spannt, klingt wie ein Nachrichtensprecher aus den 1950er Jahren. Alles in Englisch, aber mit deutschen Untertiteln. Genau wie die Levelstrukturen zum größten Teil originalgetreu übernommen wurden, basieren auch die Musikstücke auf den Originalmelodien des Titels von 1990.

Steuerung auf dem Smartphone ist verbesserungsfähig

Was die Steuerung angeht, können wir nur die Android-Version von Castle of Illusion beurteilen, und die ist ebenfalls in Ordnung. Bei Weitem nicht überragend, denn das präzise Landen nach einem Sprung gerät zuweilen etwas schwammig, was aber ein allgemeines Manko bei Android-Games ist, denen eine Controller basierte Steuerung zugrunde liegt. Ohne mechanische Begrenzung des Steuerkreuzes in Form von Erhebungen oder anderen tastbaren Merkmalen ist es nun mal deutlich schwieriger, passgenau die Kontrolle über die Spielfigur zu behalten. Zum Glück fällt dies jedoch nur selten ins Gewicht.

Der Schwierigkeitsgrad von Castle Of Illusion überraschte mich. Allgemein ist es natürlich nicht besonders schwer, was aber auch an meinen unglaublichen Zocker-Skills liegen könnte. Versetzte ich mich jedoch in die Lage eines Kindes von etwa zehn Jahren, das genau in die Zielgruppe dieses Spiel passen würde, dann wäre die Herausforderung schon deutlich höher. Die Kollisionsabfrage funktioniert einwandfrei, schlecht platzierte Landungen werden nicht, wie früher üblich, automatisch durch das System korrigiert, sondern erhalten die Belohnung, die sie verdienen: den Tod der Spielfigur.

Die Bosskämpfe laufen nach schnell durchschaubaren Schemata ab, die ebenfalls den Vorgängern entnommen wurden, jedoch etwas weitergedacht wurden, um ein Fünkchen mehr Abwechslung hinein zu bringen. Das macht Spaß. Immer mal wieder gibt es im Spiel mehr oder weniger ätzende Stellen, die aber mit etwas Übung und Konzentration zu schaffen sind. Leider sind es derer zu wenig, als dass der Schwierigkeitsgrad für geübtere Spieler auf ein annehmbares Niveau angehoben werden könnte.

Der Endgegner jedoch, der hat es in sich. Ich habe es sicherlich zwanzig Mal versuchen müssen, bis ich die Hexe, soviel sei verraten, besiegen konnte. Zwischendurch flackerte bei mir ein zornesrotes „Unfair!“ auf, denn mit nur sehr wenig Leben muss man den diversen gefährlichen Attacken ausweichen. Wer nicht haargenau zur richtigen Zeit hüpft, der hat verloren. Das erfordert schon einiges an Übung, ist aber ein gelungener Abschluss des Spiels.

Ehe man sich versieht – aus und vorbei

Tja, und das war es leider auch schon. Mit einer Spielzeit von knapp zwei Stunden ist Castle of Illusion extrem schnell durchgezockt. Wahrscheinlich bekäme man es sogar in der Hälfte der Zeit hin.

Darüber können auch die kleineren Extras nicht hinwegtäuschen, die dem Spiel ein wenig mehr Tiefe zu verleihen versuchen. So soll man Donalds Chilischoten sammeln, um extra Kostüme freizuschalten, in die wir Mickey dann kleiden können. Dann sind da noch andere Nettigkeiten, wodurch wir uns Konzeptzeichnungen anschauen dürfen oder Statuen ins Schlossfoyer materialisiert werden.

Das ist wirklich nett, mehr aber auch nicht. Viel zu kurz bleibt Castle of Illusion dennoch. Man hat sogar die Möglichkeit, nach dem Durchspielen jedes Level in einer Art Stoppuhr-Rennen zu meistern, was gut wäre, wenn man sich mit anderen Spielern vergleichen könnte (Konkurrenzkampf, olé), was aber aber langweilig und sinnlos ist, wenn man nur gegen sich selbst antritt. Eine winzige Online-Funktion hätte dem Spiel also auch gut getan.

Alles in allem ist Castle Of Illusion ein wunderschönes Spiel, das vom Spielprinzip her etwas angestaubt wirkt, viel zu kurz und damit deutlich zu teuer ist. Bei Steam kostet das Spiel sogar 12,99 €, was ich bei der Kürze gar als Frechheit betrachte. Ein umfangreicheres Levelpaket und eine Online-Bestenliste wären schön gewesen. Trotzdem ist es eine schöne Alternative zu dem unzähligen Casual-Murks, der die App-Stores überschwemmt. Retro-Fans, die das Spiel von damals noch kennen, werden sich freuen, jüngere Spieler haben an manchen Stellen etwas zu knabbern, was aber nicht unbedingt schlecht ist.

 

Kai Seuthe

Kaius spielt seit der Grundschule und wird das auch noch im Altersheim tun. Er ist als Let's Player KiltKaius unterwegs, schreibt Bücher und macht noch viele andere kreative Dinge. Retro-Spiele mag er, Rechtschreibfehler nicht. Darum kümmert er sich auch darum.