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Betrayer - Titelbild

Betrayer: Review – Licht und Schatten

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Bei Betrayer handelt es sich um das erste Spiel von Blackpowder Games. Seit dem 24.03.2014 kann man das Spiel offiziell via Steam kaufen. Da Blackpowder so freundlich war uns einen Gamecode zur Verfügung zu stellen, können wir euch nun mit einer Review versorgen. Hinter Blackpowder Games stecken allerdings keine unbekannten Indie-Programmierer, sondern, wie sie selbst sagen, die kreativen Köpfe von F.E.A.R., No one lives forever und Shogo, die zuvor bei Monolith Productions gearbeitet haben.

Grund genug für uns, einen Blick auf ihr neues Werk zu werfen. Allem voran: bei Betrayer handelt es sich um ein Action-Adventure, das aus der Egoperspektive gespielt wird.

Die Geschichte

Betrayer spielt im Jahr 1604. Unser Protagonist ist mit seinem Schiff an der Küste von Amerika, genauer gesagt in Virginia, gestrandet und erwacht gerade aus seiner Bewusstlosigkeit. Leicht benommen geht es einen Kiesweg entlang, weiter ins Landesinnere. Plötzlich erscheint eine junge Frau im roten Umhang am Wegesrand und schießt einen Pfeil vor uns auf den Weg. Die Botschaft darauf ist für uns bestimmt. „Flieh, bevor du hier gefangen bist, so wie ich!“ Super. Geht ja schon richtig spannend los!

Da unser Schiff leider eh nichts mehr taugt, haben wir nicht wirklich eine Wahl. Weiter geht es in den Wald hinein. Betrayer führt uns Stück für Stück in die Steuerung des Spiels ein. Wir lernen Schleichen, nach Geistern lauschen, Gegenstände ausgraben, auf Gegner schießen oder nach ihnen schlagen und mit Hilfe von Wasserfässern unsere Gesundheit erneuern.

Auf dem Weg zum Fort Henry, der ersten Basis auf die wir treffen, stoßen wir auf grimmige spanische Soldaten, im Outfit der spanischen Eroberer. Schnell wird uns klar, dass mit diesen Typen etwas nicht stimmt. Zum einen erzeugen die rot glühenden Augen schon ein komisches Gefühl, zum anderen geben die Soldaten ein animalisches Knurren von sich, sobald sie uns entdeckt haben.

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Um uns die Jungs vom Hals zu halten, stellt uns das Spiel verschiedene Waffen zur Verfügung. Neben Messer und Tomahawk nutzen wir Lang- und Kurzbögen, sowie Armbrüste für leise Angriffe. Leider verursachen die Pfeile wenig Schaden und prallen auch schnell von den Rüstungen der Bösewichter ab. Für größere Durchschlagskraft schnappen wir uns Musketen und Pistolen, die, aufgrund der langen Nachladezeit, am besten abwechselnd benutzt und später nachgeladen werden.

Nachdem wir uns zum Fort Henry durchgeschlagen haben, stellen wir fest, dass alle Bewohner verschwunden sind. Mysteriöse Aschestatuen lassen uns vermuten, dass hier etwas schreckliches passiert ist.

Ein wesentlicher Aspekt von Betrayer ist auch der Wechsel zwischen Licht und Schatten, den wir nach Auffinden einer Glocke aktiv nutzen können. Mit Hilfe von Alarmglocken in den Basen kann unser Charakter zwischen der realen Welt und der Geisterwelt wechseln. Während wir in der realen Welt versuchen, durch Gespräche mit der roten Maid, lesen schriftlicher Notizen und aufspüren von Gegenständen, Gräbern und Leichen den Verbleib der Bevölkerung aufzuklären, können wir in der Geisterwelt mit den Geistern der Verstorbenen in Kontakt treten.

Jede Welt hat dabei ihre eigenen Bedrohungen. Neben dämonischen Soldaten folgen uns gepanzerte Ritter und verbrannte Indianer in der normalen Welt. Wechseln wir in die Schattenwelt, versuchen uns Skelette und fliegende Schädel ins Jenseits zu befördern.

Verbrannte Indianer als Gegner in Betrayer

Nach und nach entdecken wir, dass die Siedler sich vor Verbrechen, Lügen und Mord kaum retten konnten.

Um hier nichts zu verraten, möchten wir es bei diesen Anspielungen belassen. Nur soviel sei gesagt: die Geschichte fängt sehr seicht und langsam an, lässt uns aber zum Ende nicht mehr los!

Die Schnellreisepunkte auf der Spielkarte dienen in Betrayer als sehr gute Unterstützung, mit denen wir ohne Zeitverlust über die einzelnen Unterkarten reisen können.

Der Ton

Ton spielt bei Betrayer eine sehr wichtige Rolle. Jeder Gegnertyp kündigt sich durch eigene Geräusche an. Während spanische Soldaten laut brüllen und grunzen, machen Indianer durch Vogelimitationen auf sich aufmerksam. Wichtige Gegenstände geben einen rieselnden Ton von sich, der an Feenstaub gängiger Disneyfilme erinnert. So nutzt Betrayer seinen Spieleton nicht nur zur Warnung vor Gefahren, sondern auch um Hinweise zu geben.

Die Grafik

Blackpowder Games hat für Betrayer die Unreal Engine gewählt und dort leichte Modifikationen vorgenommen, um eine individuelle Grafik zu erzeugen. Zuerst fällt einem die monochrome Farbgebung ins Auge. Normalerweise ist das Spiel schwarz und weiß und lässt als einzige Farbe noch Rot zu, um die rote Maid und Gegner hervorstechen zu lassen. Wir haben jedoch die Möglichkeit, in den Grafikeinstellungen die Farbtonsättigung zuzuschalten, sodass wir wieder eine normale Optik erhalten. Uns persönlich hat die farbige Variante besser gefallen, da die monochrome Variante bei langer Spielzeit die Augen sehr anstrengt. In der Geisterwelt ist jedoch keine Farbe möglich.

Ein Fort im Spiel Betrayer

Das Spiel

Betrayer hat seine Stärken sehr deutlich in der Geschichte. Durch stetige Häppchen zur Geschichte und den einzelnen Personen wird die Spannung Stück für Stück verstärkt. In Gesprächen mit den Geistern der Verstorbenen treten dabei immer wieder Wendepunkte auf, die wir so zuvor nicht erwartet haben. Im Gegensatz dazu ist der Ego-Shooter-Aspekt des Spiels nicht so gut gelungen. Gegner laufen nach ihrer Alarmierung größtenteils unsinnige und lange Wege, um unseren Helden zu vermöbeln oder erscheinen direkt unter unserem Helden und befördern uns mit wenigen Schlägen ins Jenseits. Kopfschüsse sind bei normalen Humanoiden sofort tödlich, sofern sie keine Rüstung tragen. Auch wenn sich der Schwierigkeitsgrad in drei Stufen einstellen lässt (tödlich – tödlicher – am tödlichsten), sind wir auf maximaler Stufe nur zwei Mal gestorben. Haben wir uns in Betrayer hinter einem Baum versteckt, wartet der Gegner geduldig hinter dem Baum darauf, dass wir seine Partner erledigt haben und dann wieder hinter dem Baum auftauchen.

Bei Bögen zeigt sich die Mechanik auch noch nicht ausgereift. Zwar können Pfeile nach Abschuss wieder eingesammelt werden, jedoch prallen diese nicht nur von Rüstungen, sondern auch vom Boden und den Bäumen so sinnfrei ab, dass sie kaum wiederzufinden sind. Höhepunkt war für uns schließlich der Tomahawk, der, bei Betätigung der „Wurf“-Taste, direkt vor unsere Füße fiel. Ein Balken zur Anzeige der Wurfstärke hätte hier mehr gebracht, als die Spieler zu zwingen, jedesmal den Zielmarker in den Himmel zu richten, um geradeaus einen Gegner zu erwischen. Für die einzelnen Waffen stehen verschiedene Qualitätsstufen zur Verfügung, die sich zwar im Schaden unterscheiden, jedoch keine Auswirkung auf die Optik der Waffen haben. Auch die später zu findenden, legendären Waffen besitzen keine eigene Optik.

Bei unserem Spieldurchgang waren einige Gegner und die Waffen in der Hand teilweise deutlich verpixelt und wir sind, zu unserem Leidwesen, mehrmals auf Steine gesprungen, von denen wir nachher nicht mehr herunterkamen. Nicht auf allen Steinen ist das Springen möglich, damit Spieler nicht über die bergige Levelbegrenzung springen. Hier half schließlich nur den nächsten Schnellreisepunkt anzuwählen.

Sämtliche Level sind schlauchartig aufgebaut und können größtenteils nur nacheinander absolviert werden, auch wenn man zwischendurch wieder komplett zurückreisen muss. Fans des ersten Assassins Creed werden diverse Parallelen erkennen. Auf jeder Karte gibt es eine bestimmte Anzahl an Gräbern, Hinweisen, Beweisstücken und Kisten, sowie einen Geisterdieb, die es zu finden, bzw. zu erledigen gilt, um einen entsprechenden Erfolg zu bekommen.

Aufgrund des Designs und der Schwachstellen in der KI hätte uns ein Fokus auf Rätsel und Nachforschung viel besser gefallen, als diese Mischung mit einem halbgaren Ego-Shooter.

Unser Fazit

Betrayer überzeugt uns einerseits durch seine innovativen Ideen im Bereich der Geschichtsentwicklung, den Weltenwechseln und dem Spieleton als festen und wichtigen Spielbestandteil, andererseits zeigen sich jedoch deutliche Mängel in der Spielmechanik und dem sehr abrupten Ende.

Die Entwickler haben auf Steam zugegeben, dass sie das Ende kurzfristig noch einmal abgeändert haben. Wir sind uns nicht sicher, ob dies eine richtige Entscheidung war. Freunde von guten Geschichten in Spielen werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Wer jedoch wenig Geduld hat und ungern viele Minuten nach dem letzten Puzzelteil sucht, der sollte von Betrayer die Finger lassen.

Fans echter Action sollten, aufgrund der stupiden KI, auch einen echten Ego-Shooter bevorzugen.

Für die Sammelwütigen unter euch gibt es einen sehr guten Guide zu allen Sammelstellen, den der Spieler CrispyCrisis erstellt hat und der uns beim Durchspielen oftmals weitergeholfen hat. Trotzdem haben wir für ein komplettes Spiel 20 Stunden Spielzeit gebraucht.

Unser Fazit: Geschmackssache mit toller Geschichtsentwicklung!

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