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Always Sometimes Monsters

Always Sometimes Monsters: Review – Das Böse in uns

Ist unser Lebensweg vorgegeben, oder ist alles nur Zufall? Dieser Frage stellt sich die Menschheit nicht erst seit Lost. Nicht nur Schwarz und Weiß, sondern vor allem die Grautöne bestimmen unseren Alltag. Was nehmen wir auf uns, um unsere Ziele zu erreichen? Wessen Schicksal wollen wir beeinflussen, welche Person hat ein besseres und welche Person ein schlechteres Leben verdient? Always Sometimes Monsters von Vagabond Dog nimmt uns an die Hand und lässt uns nicht nur das Leben mit all seinen Schattenseiten entdecken, sondern auch unser wahres Ich.

In den letzten Jahren haben diverse Computerspiele des Öfteren von uns verlangt, Böses zu tun. Wir mussten Menschen foltern, um die nächste Cutscene sehen zu dürfen und mussten Touristen umbringen, um das nächste Schlauchlevel zu bestaunen. An anderer Stelle mussten wir entscheiden, ob wir ein Waisenhaus durch ein Casino ersetzen, um am Ende das große Übel besiegen zu können. Es schien, als müsse man manchmal eben Böses tun, um das Gute zu erreichen. Die letzte Entscheidung, der letzte Klick, der das Böse „aktiviert“, obliegt immer uns.

Always Sometimes Monsters

In Always Sometimes Monsters bekämpft ihr keine Drachen und müsst auch keine Jungfrau in Not retten, um die „gute“ Endsequenz sehen zu können. Es ist kein klassisches RPG, in welchem ihr euren Charakter besonders stark oder besonders charismatisch aufleveln könnt. Nein. Ihr durchlebt das Leben. Mit all seinen Höhen und Tiefen. Mit all seinen belanglosen und tristen Inhalten. Mit all seinen traurigen Szenen. Mit seinen skurrilen Entdeckungen. Und manchmal… Manchmal schenkt es euch sogar ein Lächeln, das euch nicht durch einen wahnsinnigen Joker eingemeißelt wurde.

There’s nothing you can do, that can’t be done

Ihr habt kein Geld. Euer Leben ist nicht mehr lebenswert. Ihr habt eure Karriere zerstört. Damit nicht genug: die Liebe eures Lebens will jemand anderen heiraten und schickt euch auch noch eine Einladung, um an diesem wundervollen Event teilhaben zu dürfen. Es ist eure letzte Chance, euer Leben vielleicht doch noch in die richtige Bahn zu lenken. Was seid ihr also bereit zu tun, um dieses Ziel zu erreichen?

Always Sometimes Monsters

Diese Frage begleitet euch durch das gesamte Spiel. Eure Zeit ist begrenzt. Ganze 30 Spieltage habt ihr Zeit, um einmal den großen Kontinent zu durchqueren, um letzten Endes rechtzeitig bei der Hochzeit eures früheren Partners zu erscheinen. Wie ihr das macht, bleibt euch überlassen. Welche Entscheidungen ihr trefft, bleibt euch überlassen. Was ist wirklich gut und was ist wirklich böse? Ist es eine falsche Entscheidung, einen geldgierigen Arzt zu erpressen, damit er euren sterbenskranken Freund behandelt? Ihr braucht das Geld, also ist es doch sicherlich nicht so schlimm, wenn ihr das eine kranke Gammelschwein auch noch in leckere Würstchen verwandelt? Oder sollen wir lieber brav den Tofu verarbeiten, weil das viel besser für die Welt ist? „Think big“ – betrachten wir also lieber das große Ganze: ihr müsst euer Ziel erreichen. Und dafür ist euch (fast) jedes Mittel recht. Oder?

Nothing you can sing, that can’t be sung

Um euer Ziel zu erreichen dürft ihr … arbeiten. Arbeit ist das halbe Leben und so ist es auch in einem fortgeschrittenen „Spiel des Lebens“ Abklatsch. Statt klassische Quests abzuarbeiten, trefft ihr vor allem Entscheidungen. Dabei geht es aber nicht um die Auswahl der passenden Kleidung,… naja, Moment: einmal schon. Nun. Es geht nicht darum, ob ihr jemanden mit dem Wasserschlauch nass macht. Ups: doch! Es geht aber wirklich nicht darum, ob ihr Drogen verkauft. Yo! Eigentlich schon, bitch! Back to topic, bevor das noch ausufert.

Ihr trefft scheinbar belanglose Entscheidungen, die für andere Menschen aber eine große Rolle spielen können. Was euch harmlos erscheint, trifft vielleicht genau den wunden Punkt eines Anderen. Gleichzeitig nehmt ihr aber auch, durch wichtige Entscheidungen, einen enormen Einfluss auf ganze Gruppen. Alles hat seinen Preis. Während eures Roadtrips trefft ihr, wie im wahren Leben, auf viele bunte Persönlichkeiten, die des Öfteren ausgerechnet euren Rat suchen, obwohl ihr selbst doch gerade nicht wisst, was ihr wirklich wollt.

Always Sometimes Monsters 3

Für ein Rollenspiel typisch, findet ihr auch den ein oder anderen Gegenstand, der von euch benutzt werden möchte. Nebenbei dürft ihr auch essen, damit ihr genug Ausdauer für all die harte Arbeit habt. Sandwiches! In allen möglichen Varianten! Mit Bacon! Allein dafür hat das Spiel schon einen Pluspunkt verdient.

Durch die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten und die vielen Variablen spielt jeder Spieler ein anderes Spiel. Es lohnt sich also, das Spiel erneut, aus einer anderen Perspektive, mit vollkommen anderen Entscheidungen, in Angriff zu nehmen.

Nothing you can say, but you can learn how to play the game

Always Sometimes Monsters wirft uns direkt ins Geschehen und erklärt, ähnlich wie beispielsweise in State of Decay, keine wirklichen Grundlagen. „Learning by doing“ ist des Rätsels Lösung. Schließlich müsst ihr auch im wahren Leben selbst lernen, wie ihr diese komischen Füße so benutzt, dass sie euch an euer Ziel befördern. Zu Beginn wählt ihr euren Charakter und die Liebe eures Lebens. Hier sind keine Grenzen gesetzt und ihr bekommt – je nach Wahl eures Alter Ego und der Liebe eures Lebens – im weiteren Verlauf passende Kommentare. Ob nun frauenverachtend, homophob oder rassistisch. Das Spiel hasst euch und zeigt euch das durch die liebevoll gezeichneten Pixelfiguren, die euch mit ihren provokanten Satzzeichen in ihren Sprechblasen erniedrigen.

Es gibt zwar keine Sprachausgabe, doch dafür immerhin eine stets passende Musikuntermalung, die uns in die richtige Stimmung versetzt. Der Aufpreis für den Soundtrack lohnt sich also! Gesteuert wird klassisch via WASD, die Maus wird nicht benötigt. Leider hat das Spiel nur 9 Speicherplätze, was für ein Spiel mit einer solch umfangreichen Geschichte etwas wenig ist.

Die Grafik überzeugt durch eine schön anzusehende Pixeloptik, inklusive fast schon putziger Animationen. Führen wir ein Gespräch, erhalten wir eine detaillierte Zeichnung des sprechenden Charakters, sowie die zugehörige Texteinblendung. Das Spiel ist aktuell nur auf Englisch verfügbar.

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