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A MAZE. Festival 2016 – Preise und Penisse

24. April 2016

A MAZE. Festival 2016 – Preise und Penisse

Vergangene Woche fanden im Rahmen der International Games Week Berlin zahlreiche Veranstaltungen rund um das Thema Gaming statt. Teil davon war auch das zum bereits 5. Mal statt findende A MAZE. Independent Video Games Festival. Von Mittwoch bis Samstag konnten zahlreiche Besucher den Talks und Workshops beiwohnen oder in der Ausstellung Indie Spiele spielen und teilweise direkt mit den Entwicklern in Kontakt treten. Das rustikale Ambiente unterstrich auf seine eigene Weise den alternativen Ansatz des Festivals, auch wenn einige Erklärungen hier und da geholfen hätten. So hatte es sicherlich auch seinen Reiz, dass die Entwickler ihre Schilder selbst bastelten. Möglicherweise ungewolltes, möglicherweise gezielt platziertes Motto des Festivals waren die männlichen Geschlechtsorgane. Man konnte sie steuern, mit ihnen steuern, sie modellieren, fotografieren… „Sex sells“ gilt eben auch für Indies. Am Freitag wurde schon mit der Verleihung der Awards das Ende eingeleitet.

Bei seiner etwas zu verherrlichenden Rede im Halbdunkel der Location und auf dem Weg zum ambitionierten Ziel, das Festival zum „world’s greatest indie festival“ zu machen, vergaß Thorsten Wiedemann, Artistic Director des Festivals, fast das Team zu erwähnen, das das Festival, neben seinen zahlreichen namhaften Sponsoren, möglich gemacht hat. Musikalische Begleitung des Abends war Tintin Patrone mit ihrem selbst entworfenem E-Flamingo – ein Instrument, das man nicht erst erlernen muss. Die sonst so versteifte Abendveranstaltung konnte Jordan Erica Webber als Moderatorin aufwerten. Mit Ausnahme des Audience Awards entschied eine Jury über die Gewinner. Dazu zählten Katherine Neil, Naomi Clark, Llaura Dreamfeel, Claudia Maté und Sebastian Quack.

Ohne weitere Umschweife, dies sind die glücklichen Gewinner:

Cosmic Top Secret

Most Amazing Game: Cosmic Top Secret

In einer Papplandschaft werden hier am Smartphone oder Tablet Rätsel gelöst, Gegenstände gesucht und immer wieder durch gefundene Dokumente eine Geschichte erzählt. Nach und nach decken wir das Geheimnis auf.

Lieve Oma
WTF?! Award: Lieve Oma

Böse Zungen würden hier von einem Walking Simulator reden. In Wirklichkeit ist es ein bewegender Spaziergang und über die Liebe einer Großmutter sowie der Probleme eines Teenagers, der zwischen Identitätskrise, Scheidung der Eltern und neuer Schule nach sich selbst und Verständnis sucht. Grandios erzählt!

Keep Talking and Nobody Explodes
Human Human Machine Award: Keep Talking and Nobody Explodes

Der eine sieht die Bombe, der andere weiß, was zu tun ist. Mit Virtual Reality und Kommunikation wird hier eine Bombe entschärft, die Stimmung ist allerdings eher spaßig und unterhaltsam als gefährlich.

Diorama No.3: The Marchland
Other Dimensions Award (VR): Diorama No.3: The Marchland

Im dritten Diorama kann man auch hier die beeindruckende VR-Erfahrung erleben. Es ist nicht wirklich ein Spiel oder eine Demo, einfach nur eine interaktive Illustration, ein Bild, das man erleben kann.

genital jousting
Audience Award: Genital Jousting

Penisse, mit Dildos gesteuert, die andere von hinten penetrieren, um zu wachsen. Ja. Spielt sich ebenso verwirrend, wie es klingt, konnte aber offensichtlich viele Besucher beeindrucken.

Die Liste ist ebenso bunt gemischt wie verrückt. Abseits des Mainstream können scheinbar auch unbekannte und experimentelle Spiele die Menschen beeindrucken. Dass sie hier in den Vordergrund gestellt werden und einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, zeigt, dass ein Verlangen nach anderen Spielen und Erfahrungen vorhanden ist und wir immer wieder Indie Spiele mit offenen Armen empfangen. Insbesondere solche, die den Begriff „Multiplayer“ neu definieren, neue Interfaces nutzen oder so viel Spaß machen, dass man alles andere vergisst.

Neben den wohl verdienten Gewinnern gab es noch weiterer Highlights:

Manege Manege
Bis zu vier Spieler können hier ihre Smartphones oder Tablets mit dem Spiel verbinden und steuern dann mit diesen die Symbole auf der Oberfläche. Zunächst müssen nur bestimmte Formen eingesammelt werden, später müssen die Spieler kommunizieren und den anderen mitteilen, was in ihrer Ecke steht und was sie nun einsammeln dürfen und was nicht.

 

No Pain No GainNo-pain-no-gain
Das Spielprinzip ist einfach erklärt: Du oder ihr siehst oder seht auf einer Leinwand eine Figur, der Countdown beginnt, die Spieler laufen auf die Leinwand zu, springen sie an und haben dabei möglichst genau die Figur nachgemacht. Je genauer, desto mehr Punkte werden verliehen.

 

 

Codex BashCodex Bash
Es gibt vier Buttons, die im Raum verteilt stehen. Mit zwei bis vier Spielern werden diese bedient und müssen eigentlich nur unter Zeitdruck in der richtigen Reihenfolge gedrückt werden. Allerdings werden die Hinweise immer kryptischer und das Spiel dadurch immer spannender.

Auch wenn die Verleihung selbst eine selbstreferenzielle und sehr konventionelle Veranstaltung war, so sind die spannenden Talkthemen und vor allem die zahlreichen Indie Games das, was A MAZE. jedes Jahr zu einem sehenswerten Event macht. Wir gratulieren allen Gewinnern und freuen uns schon auf die nächsten spannenden Projekte aller.

Christina Kutscher

Christina wurde im zarten Alter von acht Jahren an die Playstation 1 heran geführt und hat sie sofort ins Herz geschlossen. Einige Jahre und kurze Abstecher in unbekannte Genre später, spielt sie mittlerweile plattformübergreifend alles, was eine gute Story hat, überdurchschnittlich kreativ ist oder einfach nur Spaß macht und schreibt dann darüber.